Privatkunden können kaum auf neue Angebote hoffen: Gashändler sehen Marktöffnung skeptisch

Privatkunden können kaum auf neue Angebote hoffen
Gashändler sehen Marktöffnung skeptisch

Die Initiative des Bundeskartellamts zur Förderung des Wettbewerbs um private Gaskunden stößt bei den neuen Energiehändlern auf Skepsis.

HB ESSEN. „Welcher Händler nützt denn ein Modell, das von vorne herein als Übergangslösung bezeichnet wird?“, fragte Jörg Spicker, Vorsitzender des Verbands deutscher Gas- und Stromhändler Efet am Mittwoch auf der Branchenmesse E-World in Essen. Er rechnet mit weiteren Verzögerungen bei der Öffnung des deutschen Gasmarktes: „Wir sind noch weit davon entfernt – es kann durchaus noch zwei Jahre dauern“, sagte Spicker, der zugleich Deutschland-Chef des Schweizer Energiehändlers Atel ist.

Das Bundeskartellamt hatte am Dienstag mitgeteilt, dass ab dem ersten April für viele Privatkunden der Wechsel des Anbieters möglich wird. Im Rahmen von Missbrauchsverfahren haben sich nach Angaben der Behörde zahlreiche Versorger verpflichtet, Konkurrenten in ihrem Versorgungsgebiet den Zugang zu Haushalten zu ermöglichen. Der traditionelle Kommunalversorger übernimmt dabei im Auftrag des neuen Wettbewerbers die technische Abwicklung der Lieferung. Kartellamtspräsident Ulf Böge bezeichnete das Modell als Übergangslösung bis auf dem deutschen Markt ein faires System für den Zugang zu den Gasnetzen etabliert ist. Ein solches Netzzugangsmodell will die Bundesnetzagentur bis zum Herbst einführen.

Für Essent-Manager Karsten Weigmann, der die Efet-Arbeitsgruppe Gas leitet, ist der vom Kartellamt zum ersten April in Aussicht gestellte Anbieterwechsel nicht zu erwarten: Für die Händler sei das Modell nicht attraktiv. „Letztlich müsste der Händler das Gas bei den bisherigen Versorgern kaufen und kann es lediglich mit einer neuen Rechnung versehen“, sagt Weigmann. Ähnlich sieht es die Deutschland-Tochter des niederländischen Nuon-Konzerns. „Welcher Händler investiert in Marketing und Vertrieb, wenn es sich ohnehin nur um eine Übergangslösung handelte“, sagt Ralf Becker, bei Nuon Deutschland für den Gasnetzzugang zuständig.

„Netzzugangsmodell bleibt hinter Wünschen zurück“

Aber auch das Netzzugangsmodell, das die Bundesnetzagentur im Herbst einführen will, stößt bei den Gashändlern auf Skepsis. „Es bleibt hinter unseren Wünschen zurück“, sagt Atel-Vertreter Spicker. Während es in Großbritannien nur noch einen Handelspunkt gebe, an dem die Händler Verträge zur Einspeisung von Gas mit den Lieferanten schließen könnten, seien in Deutschland acht bis zwanzig vorgesehen. Vor allem aber fürchtet er, dass die etablierten Netzbetreiber das geplante Modell noch entscheidend abschwächten und die Einführung verzögerten. Die Zeit sei schon jetzt so knapp bemessen, dass es zum neuen Gaswirtschaftsjahr, das am ersten Oktober beginnt, nicht mehr greifen könne. „Ich verstehe nicht, warum die Verhandlungen nicht entscheidend beschleunigt werden.“

Marktführer Eon Ruhrgas verteidigte dagegen gestern das geplante Netzmodell. Die Eon-Tochter hat die Vorgaben der Bundesnetzagentur bereits zum ersten Februar für ihren Netzbereich umgesetzt. „Die Erfahrungen nach zwei Wochen Betrieb zeigen, dass das neue System von unseren Kunden angenommen wird“, sagt Hans-Peter Floren, Geschäftsführer von Eon Ruhrgas Transport. Das neue System sei flexibel und gehe über die gesetzlichen Anforderungen noch hinaus. „Wir müssen jetzt aufhören, immer weiter zu diskutieren und uns endlich an die Umsetzung der Vorgaben machen“, forderte Floren.

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