Probleme bei Thyssen-Krupp: Aktionärsschützer fordern Sonderprüfung

Probleme bei Thyssen-Krupp
Aktionärsschützer fordern Sonderprüfung

Nach diversen Kartell- und Korruptionsvorwürfen möchten Aktionärsschützer bei Thyssen-Krupp notfalls selbst für Aufklärung sorgen. Ihre Idee: Ein Sonderprüfer soll die Missstände aufarbeiten.
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Düsseldorf Aktionärsschützer wollen notfalls mit Hilfe eines gerichtlich bestellten Sonderprüfers die Milliardenverluste und Affären des Stahlriesens ThyssenKrupp unter die Lupe nehmen lassen. „Wir wollen auf der Hauptversammlung Pflöcke einschlagen und selbst für Aufklärung sorgen“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sei gefordert, bei ThyssenKrupp aufzuräumen wie einst nach Schmiergeldvorwürfen bei Siemens. „Noch geben wir ihm die Chance dazu. Wenn er aber in den kommenden Monaten nicht liefert, dann werden wir über die Personalie reden müssen“, meinte Tüngler. Die Geduld werde ein Ende habe, wenn nicht sehr zügig der „geforderte und dringend notwendige Kulturwandel“ erkennbar werde.

Auch Hans-Christoph Hirt, Executive Director des britischen Aktionärsberaters Hermes Equity Ownership Services, fordert einen “glaubwürdigen Neuanfang für die Unternehmensführung“ bei Thyssen-Krupp. Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme könne sich der „Mitverantwortung nicht entziehen“, schreibt Hirt in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „In Anbetracht der gravierenden Defizite in der Führungskultur ist klar, dass ein glaubwürdiger Neuanfang bei Thyssen-Krupp nicht auf der Vorstandsebene enden kann. Er setzt vielmehr voraus, dass auch im Aufsichtsrat Verantwortung für Defizite in der Führungskultur und daraus resultierende Fehlentwicklungen übernommen wird.“ Hermes vertritt die Interessen großer Pensionsfonds und wird durch Hirt an an diesem Freitag auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp vertreten.

Hirt fordert zudem von der Alfired Krupp von Bohlen und Halbach-Krupp-Stiftung, dem größten Einzelaktionär des Stahlkonzerns, das sogenannte Entsendungsrecht nicht mehr in Anspruch zu nehmen. „Das verstößt gegen internationale Prinzipien guter Unternehmensführung.“ Drei Mitglieder des Aufsichtsrats bei Thyssen-Krupp, unter ihnen Cromme und bis vor kurzem auch der zurückgetretene SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD), sind von der Stiftung in das Kontrollgremium entsandt, ohne dass die anderen Aktionäre darüber abstimmen durften. Hermes-Manager Hirt macht dieses Sonerrecht der Stiftung mitverantwortlich für die mangelhafte Führungskultur bei Thyssen-Krupp.

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sprach sich dagegen für einen Rücktritt von Cromme aus. „Personifiziert wird der moralische Niedergang bei ThyssenKrupp furch Gerhard Cromme“, meinte der Geschäftsführer des Verbands, Markus Dufner.

Nach einer Anzeige gegen Cromme wegen des Verdachts einer Aufsichtspflichtverletzung im Zusammenhang mit Kartellverstößen soll es keine Ermittlungen geben. Dazu bestehe derzeit kein Anlass, erklärte ein Sprecher des Bundeskartellamts am Mittwoch. Das „Manager Magazin“ hatte zuvor berichtet, dass eine entsprechende Anzeige eines Rechtsanwalts bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sei.

ThyssenKrupp geriet in den vergangenen Monaten durch Misserfolge mit Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie diverse Kartell- und Korruptionsvorwürfe in die Schlagzeilen. Drei von sechs Vorständen mussten ihren Hut nehmen, damit ein Neuanfang gelingt. Doch auch die Arbeit des Aufsichtsrats geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Es wird daher an diesem Freitag (18.1.) eine turbulente Hauptversammlung erwartet.

Das aufgeflogene Schienenkartell biete einen Hebel, um die Missstände von einem unabhängigen Prüfer aufarbeiten zu lassen, betonte Tüngler. Auf die Stimmen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die gut 25 Prozent der Aktien besitzt und damit auf der Hauptversammlung das Schwergewicht sei, wäre man letzten Endes nicht angewiesen. „Um bei Gericht Erfolgsaussichten zu haben, muss eine grobe Verletzung der Gesetze vorliegen. Das ist beim Schienenkartell der Fall“, erläutert der Aktionärsschützer.

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