Probleme beim A380
Insiderverdacht gegen 700 EADS-Manager

Die Verantwortlichen beim Airbus-Mutterkonzern EADS wussten offenbar schon drei Monate früher als zugegeben um die Probleme beim A380. Um dem drohenden Kursrutsch zu entgehen, verkauften sie nach bisherigem Kenntnisstand schnellstens ihre Aktien. Die Börsenaufsicht ermittelt bereits gegen Spitzenmanager. Die Affäre scheint aber noch weit größer.

HB PARIS. Schon auf einer Sitzung des Verwaltungsrates am 7. März 2006 wurden „schwere industrielle Schwierigkeiten und sich daraus ergebende Lieferverzögerungen“ erörtert, schreibt die französische Partnerzeitung des Handelsblatts, „La Tribune“, am Dienstag unter Berufung auf einen Geschäftspartner. Noch am selben Tag begannen Spitzenmanager, ihre Aktien zu verkaufen, allen voran der damalige EADS-Chef Noël Forgeard. Er strich 2,5 Mill. Euro Gewinn ein. Auch der Strategievorstand Jean Paul Gut und der damalige Eurocopter Chef Fabrice Bregier machten Kasse. Von den deutschen Vorständen verkaufte der Chef der Rüstungssparte Stefan Zoller.

Der Konzern teilte indes erst am 13. Juni des Jahres mit, dass es wegen Fertigungsproblemen zu Lieferverzögerungen beim A380 kommt und infolgedessen zu milliardenschweren Belastungen Nach der Gewinnwarnung brach der EADS-Kurs um 26 Prozent ein. Bis dahin hatten 85 Prozent der 800 Manager mit Aktienoptionen diese gezogen. Auch die industriellen Hauptaktionäre Daimler und Lagardère verkauften in der Zwischenzeit je 7,5 Prozent des Kapitals.

Die Pariser Finanzpolizei und die Börsenaufsicht AMF ermitteln bereits seit Monaten wegen Verdachts auf Insiderhandel, bislang aber nur gegen wenige Spitzenmanager. Der ehemalige Verwaltungsratschef Manfred Bischoff ist bereits verhört worden. Am heutigen Montag soll der französische Co-Chef Arnaud Lagardère aussagen. Die Ermittler wollen wissen, was die EADS-Spitze im Frühjahr 2006 über die erneuten Lieferprobleme der Flugzeugtochter Airbus wusste.

Laut „La Tribune“ korrigierte EADS am 6. März vergangenen Jahres seinen Plan von zunächst 29 auf 24 A380-Auslieferungen im Jahr 2007 nach unten. Dies sei aber nicht im Protokoll der Aufsichtsratssitzung einen Tag später festgehalten worden. Von EADS heißt es bislang, die industriellen Schwierigkeiten beim A380 seien an dem Tag nicht thematisiert worden.

Mehrere Zeugen

„La Tribune“ beruft sich auf den früheren Airbus-Geschäftspartner Jean Galli Douani, der mit dem Flugzeugbauer seit langem im Clinch liegt. Kurz nach der Verwaltungsratssitzung im März telefonierte er nach eigenen Angaben mit dem technischen Direktor von Airbus, Alain Garcia. In dem Telefonat habe dieser mitgeteilt, dass „schwere industrielle Schwierigkeiten beim A380 und sich daraus ergebende Lieferverzögerungen“ vom Verwaltungsrat angesprochen worden seien. Das Gespräch habe Galli Douani aufgezeichnet und einen Mitschnitt an die Pariser Finanzpolizei übergeben, die ihn am 2. Mai vernahm, schreibt die Zeitung. Das Büro von Ermittlungsrichter Xavièr Simeoni wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Die Betroffenen haben mehrmals gesagt, sie seien sich zum Zeitpunkt der Aktienverkäufe nicht im Klaren über die neuen Verspätungen des A380 gewesen. In einem Interview mit „La Tribune“ und dem Handelsblatt Mitte Juni hatte Forgeard erklärt, die neuen Schwierigkeiten bei dem A380 „wurden uns erst Mitte April signalisiert“. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Beteiligten bereits verkauft.

Doch Frederik-Karel Canoy, der Anwalt klagender Kleinaktionäre, hat seine Zweifel an der Unwissenheit der EADS-Manager. „Uns liegen Zeugenaussagen vor, dass schon auf der Verwaltungsratssitzung in Amsterdam am 7. März 2006 über die Schwierigkeiten gesprochen wurde“, sagte er dem Handelsblatt.

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