Probleme der Banken noch ohne Auswirkungen
Industriekonzerne fürchten keine Kreditklemme

Die meisten großen Konzerne spüren derzeit keine Auswirkungen bei der Refinanzierung durch die Kreditklemme im Bankenbereich. Doch vor allem Unternehmen mit schwachen Bilanzstrukturen könnte die Krise empfindlich treffen.

FRANKFURT. Die Kreditklemme im Bankenbereich bereitet den großen Industrieunternehmen in Deutschland bisher offenbar keine unmittelbaren Probleme. Allerdings wachsen die Sorgen, dass die Refinanzierung mittelfristig in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Vor allem Unternehmen mit schwachen Bilanzstrukturen könnte das nach Einschätzung von Kreditexperten empfindlich treffen.

Die meisten großen Konzerne sehen bislang keine Einschränkungen. Zwar gilt es derzeit als sehr schwierig, neue Anleihen zu platzieren. Der kurzfristige Refinanzierungsbedarf ist in aller Regel jedoch über bestehende Cash-Reserven, die nach wie vor soliden operativen Cashflows sowie längerfristig laufende Kreditlinien abgesichert.

„Im Moment ist die Situation noch in Ordnung. Aber viele Unternehmen hatten zuletzt Sorgen, dass selbst fest zugesagte Kreditlinien nicht halten könnten, weil die Banken dazu nicht mehr in der Lage sind“, beschreibt der Chef eines Großunternehmens die Stimmungslage.

Experten von Unicredit kommen in einer Analyse von mehr als 100 europäischen Anleihe-Emittenten aus dem Industriebereich zu dem Ergebnis, dass keinem der untersuchten Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Liquiditätsnöte drohen. Die vergleichsweise schwächste Einstufung unter den deutschen Unternehmen geben die Unicredit-Analysten dabei BMW, Henkel, Südzucker und Heidelberg Cement, wobei sie die Liquidität dieser Unternehmen aber als ausreichend einstufen. Bei allen anderen deutschen Konzerne bewerten sie die Liquiditäts-Situation als solide (Eon, BASF, Lanxess, Linde, Thyssen) bis exzellent (Bosch, MAN, Lufthansa, RWE, Siemens).

Als Hauptrisiko für die Liquiditätsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten sehen die Unicredit-Analysten ebenfalls die Gefahr, dass ungenutzte Kreditlinien gekürzt werden oder die frei verfügbaren Cashflows einbrechen.

Vorerst sind solche Probleme bei den Konzernen aber offenbar nicht zu sehen. Unternehmen wie Bayer, Eon und Deutsche Telekom sehen sich nach eigenen Angaben von der Finanzkrise nur am Rande betroffen. Ein Sprecher von BMW verweist auf ein globales Netzwerk an Treasury-Zentren, das eine flexible Finanzierung erlaube. Auch sei es jüngst noch gelungen, einen Schuldschein über 1,35 Mrd. Euro zu platzieren. Auch die Unternehmens-Verbände VDMA und BDI registrieren für ihre Mitgliedsunternehmen bisher keine Störungen in der Kreditvergabe.

Dass die Kreditmärkte für gute Industrieadressen keineswegs ausgetrocknet sind, zeigte gestern auch Daimler mit der Platzierung einer syndizierten Kreditlinie über drei Mrd. Euro. Sie sei deutlich überzeichnet gewesen, teilte der Autohersteller mit, und ergänze eine ähnliche, bis 2011 laufende Kreditlinie über fünf Mrd. Dollar. Beide Kreditlinien dienen als Back-up für Commercial-Paper-Programme des Dax-Konzerns.

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