Produkte absolvieren Gesundheits-Check
Schulen setzen Kinder im Fast-Food-Land USA auf Diät

Äpfel und Bananen statt Kekse; Wasser und Fruchtsäfte statt süßer Limonaden – so sieht ab sofort das Angebot in New Yorks Schulkantinen aus. „Fast die Hälfte der New Yorker Kinder im schulpflichtigen Alter ist zu dick“, stellte kürzlich die städtische Gesundheitsbehörde fest. Landesweit sieht es kaum besser aus: 15 % der sechs bis 18-jährigen Amerikaner bringen zu viele Kilos auf die Waage.

NEW YORK. „Diese Zahlen zwingen zum Handeln“, sagt Dr. Edward J. Sondik vom Bundesamt für Gesundheitsstatistik. Die zunehmende Zahl dicker Amerikaner belastet die Wirtschaft und das Gesundheitssystem – vor allem, wenn aus dicken Kindern noch dickere Erwachsene werden.

„Wir werden die Qualität unseres Kantinenessens verbessern“, verspricht deshalb der Leiter der New Yorker Schulbehörde, Joel Klein. Auf den Tischen der öffentlichen Einrichtungen steht ab sofort fünf- statt bisher nur dreimal pro Woche frisches Obst und Gemüse. Außerdem werden die Kantinen mehr Fisch servieren und Mayonnaise-Salate durch Rohkost ersetzen. Soft Drinks wie Coca-Cola und kalorienreiche Snacks werden aus den Automaten auf den Pausenhöfen verbannt. „Seit Anfang September dürfen nur noch Produkte verkauft werden, die unseren Gesundheitsstandards entsprechen“, sagt Marty Oestreicher, zuständig für die Belieferung der Schulen.

Bei den Nahrungsmittelherstellern lässt diese Drohung die Alarmglocken läuten. Der Versuch einiger Jugendlicher aus dem New Yorker Stadtteil Bronx, McDonald’s für ihr Übergewicht verantwortlich zu machen, ist zwar gescheitert. Die Konzerne rüsten sich trotzdem gegen mögliche Sammelklagen – und versuchen sich als Trendsetter.

Kraft Foods hat den Anfang gemacht und vor kurzem angekündigt, Fett und Kalorien in den Snacks für Schüler zu reduzieren. Kellogg’s will seine Frühstücksflocken in Zukunft ohne die besonders gefährlichen und dick machenden Transfette produzieren. Die Imbisskette Burger King verspricht, mehr Salat auf die Whopper zu packen und die Konkurrenz von Applebee’s plant, die Menüs mit Hilfe von Weight Watchers gesünder zu gestalten. Ganz gesund gibt sich auch McDonald’s. „Wir werden die Führung in Sachen gesundem Lebensstil und guter Ernährung übernehmen“, sagt Konzernchef James Cantalupo. „Supersize“ Menüs will er trotzdem nicht abschaffen.

Das wohl bekannteste Produkt von PepsiCo, Pepsi Cola, gibt es schon seit langem in der Diät-Version. Nun soll auch das übrige Angebot einen Gesundheits-Check durchlaufen. Der große Konkurrent Coca-Cola wiederum schiebt die Schuld an den überflüssigen Pfunden der Kinder mehr auf deren Lebensstil als auf die Softdrinks: Fernsehen, Video- und Computerspiele seien die Bösewichte, heißt es auf der Internetseite des Getränkeherstellers. Kinder und Eltern bekommen dort aber auch Tipps, wie es besser geht: gesund ernähren und viel Bewegung.

Den Behörden im US-Bundesstaat Arkansas reichen solche Angebote nicht mehr. Dort gibt es jetzt neben dem Zeugnis auch ein Gewichtsattest für die Kinder. „Die Initiative soll die Eltern dazu bringen, die Gewichtsprobleme zusammen mit ihren Kindern zu lösen“, erklärt Herschel Cleveland, einer der Initiatoren der Initiative. „Durch Übergewicht entstehen enorme Kosten“, sagt das Mitglied des Abgeordnetenhaus von Arkansas. Laut einer aktuellen Studie sind es 93 Mrd. $, die in den USA jährlich für die Behandlung von Übergewicht und die dadurch entstehenden Krankheiten benötigt werden.

Experten fordern schon seit einiger Zeit, die Krankenkassenbeiträge vom Gewicht des Versicherten abhängig zu machen. Aber: „Die aktuelle Gesetzeslage verbietet es, von Dicken höhere Beträge zu verlangen“, erklärt Larry Akey, Sprecher der Vereinigung der amerikanischen Krankenversicherer. Allerdings gebe es Unternehmen, die ihren Versicherten beim Abnehmen helfen, um so langfristig die Ausgaben zu senken.

Quelle: Handelsblatt

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