Produktion
Boeing: Von Toyota gelernt

Einer hält sich in der Airbus-Krise um den A380 auffällig zurück: Boeing. Dabei hätte der Erzrivale aus den USA allen Grund, laut zu jubeln, könnte die Lieferverzögerung beim doppelstöckigen Flieger dem betagten Jumbo-Jet 747 doch einen zweiten Frühling bescheren. Boeing hat aber auch ohne das hausgemachte Airbus-Malheur einen gewaltigen Vorteil gegenüber den Europäern.

NEW YORK. „Es ist nicht die Zeit zur Kapitulation“, schreibt die Investmentbank Morgan Stanley in ihrer aktuellen Studie zu EADS. Das ist vermutlich der einzige Trost, den Investoren des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns dieser Tage erhalten. Mit Aktien des Erzrivalen Boeing würden sie sich seit geraumer Zeit sehr viel wohler fühlen. Die Papiere des US-Schwergewichts nehmen nach ihrem markanten Einbruch im Zuge des 11. September 2001 allmählich wieder Kurs auf frühere Höchststände deutlich jenseits der 80-Dollar-Marke. Boeing werde von den ausufernden Problemen bei Airbus profitieren, heißt die Erklärung bei Analysten für den neuerlichen Kursaufschwung.

Ins Blickfeld rückt dabei der auf den aktuellen Stand der Technik gebrachte und leicht vergrößerte Boeing-Jumbo vom Typ 747-8. Bisher stand das Angebot des US-Konzerns im Schatten des neuen Riesen-Airbus A380. Viele Airline-Kunden senkten den Daumen mit der Begründung, der Boeing-Jumbo sei zwar zuverlässig und zäh, aber mehr als 30 Jahre alt. Weil der europäische Hersteller nunmehr nicht annähernd pünktlich liefern kann und einige Jumbo-Flotten dringend ersetzt werden müssen, erwarten Analysten einen neuerlichen Angriff von Boeing mit seinem auf 500 Sitzplätze vergrößerten Flug-Dino: „Die Boeing-Marketingabteilung wird jetzt keine Zeit verschwenden“, sagt Mary Anne Sudol von der Investmentbank Caris & Co. in New York.

Boeing fertigt die 747-8 zwar mit der herkömmlichen Rumpfstruktur des Jumbos, bietet jedoch deutlich effizientere Turbinen sowie Änderungen am Tragflächen-Design an, um die Betriebskosten zu senken. In der Branche wird spekuliert, dass zum Beispiel Richard Bransons Fluglinie Virgin Atlantic Airways seine sechs A380-Bestellungen stornieren und im Gegenzug die Boeing 747-8 bestellen könnte.

Bei Toyota abgeschaut

Branchenbeobachter betonen allerdings, dass die wahren Gründe für den plötzlichen Führungswechsel im Flugzeugbau hinter den Kulissen zu suchen sind – und nicht beim prestigereichen Verkauf von Riesenvögeln. So hat Boeing in den vergangenen Jahren, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, sein komplettes Produktionssystem von Grund auf modernisiert und unter anderem Anleihen beim erfolgreichen japanischen Autohersteller Toyota genommen.

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