Industrie

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Produktionsausweitung: Opel macht Eisenach Hoffnung

Der Opel Mokka übertrifft der Erwartungen. Das führt zu längeren Lieferzeiten. Darum denkt Opel nun darüber nach, die Produktion nach Europa zu verlegen. Ein möglicher Standort wäre das Werk in Eisenach.

Licht am Ende des Tunnels? Der Opel Mokka könnte in Eisenach gefertigt werden. Quelle: dapd
Licht am Ende des Tunnels? Der Opel Mokka könnte in Eisenach gefertigt werden. Quelle: dapd

Rüsselsheim/EisenachDer Anlauferfolg des neuen Opel-Modells Mokka hat bei dem angeschlagenen Autobauer Hoffnung auf eine ausgeweitete Produktion in Europa geweckt. Wegen der langen Lieferfristen für den Mini-SUV wolle der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) die Produktion „bei nächster Gelegenheit“ von Korea nach Europa verlagern, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag). Wahrscheinlichster Standort sei das Werk im thüringischen Eisenach. Die Verlagerung nach Deutschland könne ein Zugeständnis von GM an die IG Metall sein, damit diese der Schließung des Standortes Bochum zustimmt.

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Das sind Opels Baustellen

  • Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

    Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

  • Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

    Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

  • Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

    Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

  • Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

    Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

  • Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

    Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

  • Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

    Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

  • Wie ernst ist die Lage von Opel?

    Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Bislang hat Opel für den Mokka nach eigenen Angaben rund 55 000 Bestellungen erhalten. Derzeit betragen die Wartefristen für Neubesteller mindestens ein halbes Jahr. Das Auto wird gemeinsam mit dem Schwestermodell Chevrolet Trax in Korea gefertigt.

Die Opel-Konzernzentrale wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Grundsätzlich hat GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky eine bessere Ausnutzung der in Europa vorhandenen Produktionskapazitäten angekündigt. Auf den Opel-Bändern sollten künftig auch Autos anderer Marken hergestellt werden. Opel kämpft wie andere Hersteller in Europa mit einer Nachfragekrise, die zudem auf erhebliche Überkapazitäten trifft.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

  • Die Ausgangslage

    Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

  • Bochum

    In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

  • Rüsselsheim

    Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

  • Eisenach

    In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

  • Kaiserslautern

    In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

  • Gleiwitz (Polen)

    In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

  • Saragossa (Spanien)

    Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

  • Ellesmere Port (England)

    Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

  • Luton (England)

    In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

  • Sonstige

    Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

    Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

In Eisenach baut Opel den Corsa und künftig den Lifestyle- Kleinwagen Adam. Bei einer zusätzlichen Auslastung mit dem Mokka könnte die Corsa-Produktion komplett ins spanische Werk Saragossa abgegeben werden, mit dem Eisenach in einem engen Produktionsverbund steht. Welche Auswirkungen die Kooperation von GM mit dem französischen Autokonzern Peugeot/Citroën auf die Produktion in Eisenach haben könnte, bleibt unklar. Gemeinsam wollen die Autokonzerne auf vier gemeinsamen Plattformen Autos bauen.

 

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