Produktionsfehler
Künstliche Hüfte rostet im Patienten

Patienten, die sich ein künstliches Hüftgelenk haben einsetzen lassen, müssen sich möglicherweise demnächst einer weiteren Operation unterziehen. Ein Produktionsfehler führt dazu, dass sich Rost bildet, was zum Bruch führen kann. Hunderte, wenn nicht gar tausende Menschen sind betroffen. Gegenüber der Herstellerfirma werden schwere Anschuldigungen laut.

BERLIN/WIEN. Nach Handelsblatt-Informationen hat der österreichische Hersteller künstlicher Hüftgelenke, Falcon Medical, in den Jahren 2003 bis 2005 Hüftprothesen ausgeliefert, die im Körper einiger Patienten korrodieren. Die Folge kann sein, dass die Prothesen zerbrechen. Das defekte künstliche Gelenk wurde nach Angaben des Unternehmens bei rund 2 500 Patienten in Deutschland, Österreich und Italien eingebaut. Josef Riedel, Geschäftsführer von Falcon Medical, berichtet auf Anfrage von rund 20 Fällen, bei denen es bisher Problem gegeben habe. Ulrich Müller, Anwalt in Berlin und Rechtsvertreter von Betroffenen in Deutschland, spricht von einer deutlich höheren Zahl.

Das 1989 gegründete Unternehmen Falcon Medical galt lange als eines der Vorzeigefirmen der österreichischen Medizintechnik-Branche. Noch im Jahr 2004 rühmte die niederösterreichische Stadt Krems in einer offiziellen Mitteilung die in der Orthopädie-Abteilung des dortigen Krankenhauses verwendete Hüfte als „Hochtechnologie aus Niederösterreich“. Besonders hob der zuständige Arzt, der die Prothese entwickelt hatte, hervor, dass sie besser als andere Modelle dem Patienten angepasst werden könne. Produziert wurde die künstliche Hüfte, die zu dem Zeitpunkt bereits bei 1 500 Patienten eingebaut worden war, schon damals von der im niederösterreichischen Mödling angesiedelten Firma Falcon Medical. Den Rohstoff für das künstliche Gelenk lieferte das börsennotierte österreichische Edelstahl- und Werkstoffunternehmen Böhler-Uddeholm.

Fast gleichzeitig mit der Herausgabe der Erfolgsnachrichten aus Krems traten jedoch im Sommer 2004 die ersten Probleme mit dem künstlichen Gelenk auf. Einige Prothesen brachen. Eine von Falcon Medical veranlasste Überprüfung ergab, dass die Ursache für den Bruch in einer so genannten Spannungsrisskorrosion lag. Die Prothesen begannen offenbar zu rosten, wenn sie lange genug mit Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen waren. Nach Vorlage mehrerer Gutachten nahm Falcon Medical das Produkt im Januar 2005 vom Markt.

„Als klar war, das es sich nicht um einen einzelnen Fertigungsfehler handelte, haben wir sofort reagiert“, meint Geschäftsführer Riedel. Tatsache ist allerdings, dass zwischen dem Auftreten des ersten Falls und dem Rückzug des Produkts vom Markt etwa ein halbes Jahr vergangen ist, in dem etwa 1 000 weitere Prothesen ausgeliefert wurden. Riedel glaubt, dass nur ein kleiner Teil der Patienten betroffen sei – nicht mehr als 20 Prozent von den 2 500 Patienten. Anwalt Müller ist da skeptischer: „Jeder, der ein entsprechendes Implantat trägt, muss damit rechnen, dass es jederzeit brechen kann, auch wenn noch kein Problem aufgetreten ist.“ Die Betroffenen sollten sich deshalb Gedanken um das weitere Vorgehen machen. Wen es wirklich erwischt, der muss sich einer Operation unterziehen, die nach Angaben von Ärzten relativ aufwendig ist. Falcon Medical hat für diese Operation inzwischen spezielle Instrumente entwickelt, die den Aufwand für Arzt und Patient zwar verringern, aber: „Das ist für jeden Patienten natürlich eine außerordentliche Belastung“, räumt Riedel ein.

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