Produktionskürzungen
MAN-Chef fürchtet lange Krise

Vollbremsung bei laufender Fahrt: Nach Daimler und Volvo kürzt nun auch der Münchener LKW-Hersteller MAN seine Produktion drastisch. Im ersten Halbjahr 2009 will der Konzern in allen seinen LKW-Werken die Produktion um dreißig Produzent kappen. An 40 bis 50 „Schließtagen“ wird in den Standorten München, Nürnberg, Salzgitter und Steyr in Österreich ruhen.

MARKUS FASSE | MÜNCHEN

Vollbremsung bei laufender Fahrt: Nach Daimler und Volvo kürzt nun auch der Münchener LKW-Hersteller MAN seine Produktion drastisch. Im ersten Halbjahr 2009 will der Konzern in allen seinen LKW-Werken die Produktion um dreißig Produzent kappen. An 40 bis 50 "Schließtagen" wird in den Standorten München, Nürnberg, Salzgitter und Steyr in Österreich ruhen. "Diese Krise wird länger dauern als die vorangegangenen", sagt MAN-Chef Hakan Samuelsson. Dieses Jahr kommt der Konzern noch glimpflich davon: MAN bestätigte in diesem Jahr einen Umsatz über den Vorjahreswert von 15,5 Mrd. Euro erzielen zu wollen, die Vorsteuerrendite soll oberhalb von 12 Prozent liegen. Für 2009 wagt Samuelsson keine Prognose.

MAN rettet sich derzeit noch mit vollen Arbeitszeitkonten, die nun abgebaut werden. Zudem müssen weitere 2000 Leiharbeiter den Konzern verlassen, auch Kurzarbeit sei möglich. Ein Stellenabbau ist derzeit aber nicht geplant sagte Samuelsson. Für die deutschen Werke gelten bis 2011 Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung.

Bereits Anfang November deutete sich der Einbruch an: Im dritten Quartal gingen die LKW-Aufträge um 39 Prozent gegenüber Vorjahr zurück. MAN macht die sich deutlich verschlechterteten Wirtschaftsaussichten für den Einbruch verantwortlich, aber auch die wegbrechenden Finanzierungen der LKW-Kunden. "Es gibt definitiv eine Kreditklemme", klagt Finanzvorstand Karlheinz Hornung. Mit der im September neu gegründeten MAN Finance springen die Münchener nun in die Bresche. Mit mehr als 1,8 Mrd. Euro finanziert Hornung nun schon jeden vierten verkauften LKW.

"Die Situation im Nutzfahrzeuggeschäft wird sich frühestens 2010 entspannen", sagt Christian Aust von der Unicredit. Die Branche komme von einem sehr hohen Niveau, die Spediteure hätten ihre Kapazität im Aufschwung erweitert, die LKW-Flotten in Europa weitgehend modernisiert. Die Strategie Samuelssons, sich stärker auf Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien zu konzentrieren sei richtig, sagt Aust. "So macht sich der Konzern unabhängiger von den Konjunkturuzyklen in Europa".

MAN stockte mit sofortiger Wirkung seinen Anteil an dem Joint Venture mit Force Motors von 30 auf 50 Prozent auf. Die beiden Partner bauen in Indien schwere LKW für den Subkontinent und wollen im Export den Nahen Osten, Zentralasien Malaysia und Thailand bedienen. Auch die Verhandlungen mit dem MAN-Großaktionär VW über eine Zusammenarbeit in Brasilien sollen in den "kommenden sechs Monaten" zu einem Ergebnis geführt werden, sagte Samuelsson. Die Münchener sollen Motoren für die schweren VW-Trucks liefern, damit die Wolfsburger in Brasilien wettbewerbsfähig bleiben. Offen ist, ob MAN an VW Brasil beteiligt wird. Eiskalt sind offenbar die Drähte nach Schweden: Mögliche Gespräche über eine Allianz mit Scania hätten derzeit "keine hohe Priorität", sagte Samuelsson. MAN hatte vor zwei Jahren versucht, Scania feindlich zu übernehmen.

Während die LKW-Sparte tief in die Krise fährt, brummt das Geschäft bei den Töchtern Diesel und Turbo, die für ein Drittel der Konzernumsätze stehen. "Beide Bereiche werden auch 2009 wachsen", sagte Samuelsson. Die Schiffsdiesel sind für zwei Jahre ausverkauft, auch wenn sich am Markt ein scharfer Einbruch abzeichnet. Dafür entwickelt sich das Kraftwerksgeschäft gut. So erhielt MAN Diesel Anfang der Woche einen Großauftrag zum Bau für ein Dieselkraftwerk in Costa Rica für 190 Mio. Euro, der Auftragsbestand des neu gegründeten Geschäftsfeldes betrage nun eine Milliarde Euro, sagte Diesel-Chef Georg Pachta-Reyhofen.

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