Produktionsrückgang
Stahlbranche rechnet mit langer Krise

Der Spitzenverband der deutschen Stahlbranche rechnet mit einem weiteren Produktionsrückgang in Deutschland. Auch der Maschinenbau und die Fahrzeugbranche sind davon betroffen. Der Druck auf die Unternehmen steigt - und die Nachfrage sinkt.

DÜSSELDORF. Die deutsche Stahlindustrie hat ihre Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Nachfrage begraben. Es gebe Anzeichen für eine Bodenbildung, aber noch keine für eine Trendwende, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, gestern auf der Handelsblatt-Tagung "Stahlmarkt 2009" in Düsseldorf. "Es wird in diesem Jahr zu heftigen Einschnitten bei der Rohstahlerzeugung kommen." Erstmals seit dem Jahr 1993 werde die Produktion unter die Grenze von 40 Millionen Tonnen fallen. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Einbruch um über zehn Prozent.

In den vergangenen Jahrzehnten pendelte die Produktion in Deutschland um die Marke von 40 Millionen Tonnen, stieg dann im Jahr 2007 auf den Rekordwert von 49 Millionen Tonnen. Die Stahlfirmen produzierten damit fast an ihrer Kapazitätsgrenze, getrieben wurde die Nachfrage von dem Boom in den Schwellenländern. Davon profitierten die deutschen Firmen als Qualitätsproduzenten für die hiesige Maschinen- und Fahrzeugindustrie.

Beide Branchen stecken nun in der Krise und haben ihre Bestellungen bei den Stahlfirmen daher seit Herbst zurückgefahren. Während sich bei der Autoindustrie im Februar wegen der Abwrackprämie der Absatz um ein Fünftel erhöhte und damit einen ersten Hoffnungschimmer lieferte, sieht es bei den Maschinenbauern weiter düster aus. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA brach der Auftragseingang im Januar um 42 Prozent ein - der größte Rückgang seit dem Jahr 1953. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers verwies auf den hohen Vorjahreswert, um den Einbruch zu relativieren. Auch wenn für die kommenden Monate ein ähnlich starker Rückgang zu erwarten sei, halte man an der Prognose für das Gesamtjahr fest, sagte ein Verbandssprecher. Diese sieht bei der Produktion ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr vor.

Als Reaktion auf die schwache Nachfrage haben die Hüttenkonzerne ihre Produktion gedrosselt, um den Druck auf die Preise zu vermindern. Im Januar sah es so aus, als ob diese "Preis-vor-Menge"-Strategie zügig Erfolg haben würde. Nachdem die Firmen ihre Hochöfen in dem Monat um ein Drittel zurückgefahren hatten, stabilisierten sich die Stahlpreise zunächst. Thyssen-Krupp wie auch Weltmarktführer Arcelor-Mittal sprachen noch im Februar davon, dass im ersten Quartal die Talsohle durchschritten werde.

Seite 1:

Stahlbranche rechnet mit langer Krise

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%