Produktionsrückgang
Werkzeugmaschinenbau fürchtet „Schockstarre“

Die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen fürchten 2009 einen noch stärkeren Einbruch als bislang erwartet. Zwar geht der Branchenverband VDW weiterhin von einem Rückgang der Produktion um 15 Prozent aus - diese Prognose bestätigte am Donnerstag der VDW-Vorsitzende Martin Welcker. Allerdings mehren sich seiner Einschätzung nach die Anzeichen, dass es noch schlimmer kommen könne.

FRANKFURT. Nach dem vierten Rekordjahr in Folge mit einem Produktionsplus um 13 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro sind die Auftragseingänge im vierten Quartal 2008 um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Wenn sich die "Schockstarre" der Investoren in den nächsten Monaten nicht spürbar entkrampfe, werde die bisherige Prognose bestenfalls der obere Eckwert sein, sagte Welcker am Donnerstag. Besonders getroffen sind Hersteller von Standardwerkzeugmaschinen an die Autoindustrie. Dagegen läuft das Geschäft mit Kunden aus den Sparten Energie, Verkehr und Flugzeugbau gut.

Welcker bleibt dennoch optimistisch. "Ein Rückgang um 15 Prozent wird nicht der Untergang der Branche sein", sagte Welcker. Die überwiegend mittelständische Branche ist starke Konjunkturausschläge gewohnt. Wie lange die Krise dauern wird, wollte Welcker nicht prognostizieren. Er rechnet mit einer Bodenbildung um den April 2009 herum. In China gebe es Anzeichen einer Besserung. Unternehmer rechnen nicht mit einer schnellen Erholung: "Wir haben die Hoffnung, dass sich zum Jahresende die Lage wieder bessert", sagte Nicola Leibinger-Kammülller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf, dem Handelsblatt.

Der Verband erwartet keine große Pleitewelle. Die Branche sei besser aufgestellt als in jedem vorangegangenen Abschwung und habe in den Boomjahren die Hausaufgaben gemacht. Die Zahl der Beschäftigten ist seit dem Höhepunkt vom Oktober 2008 mit 73 400 wieder leicht gesunken. Ende des Jahres werde man vielleicht bei dem Stand von 2007 mit rund 67 000 Beschäftigten liegen, so Welcker. Die Branche versucht über den Abbau von Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit die überwiegend hoch qualifizierte Belegschaft zu halten. "Unsere Arbeitszeitkonten reichen noch etwa bis Mitte des Jahres. Wenn sie ausgeschöpft sind, werden wir Kurzarbeit einführen", sagte Leibinger-Kammüller.

Eine Kreditklemme sieht der Verbandsvorsitzende nicht. Allerdings müsse das globale Finanzsystem wieder funktionieren, damit die globale Verunsicherung überwunden werde, sagte Welcker. Die Kredite würden zwar teurer, aber wer genügend Eigenkapital und Liquidität habe, der bekomme Kredite. Finanzstarke Unternehmen wie Trumpf helfen ihren Kunden aus. "Wir können unseren Kunden über Leasinggeschäfte unabhängig vom Kapitalmarkt Liquidität für Maschinenkäufe bieten", sagte Leibinger-Kammüller.

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