Produktpräsentation
Analysten blicken mit Sorge auf Sanofi

Der französische Pharma-Konzern Sanofi-Aventis konnte die Finanzmärkte mit seinem Überblick über die Entwicklung neuer Wirkstoffe am Montag nicht überzeugen. Die Aktie verlor teilweise über zwei Prozent. Die Präsentation habe „wenig Neues enthalten“ außer „einigen Zeitverschiebungen und die Aufgabe von Entwicklungen in einem späten Stadium“, kommentierten die Analysten von Merrill Lynch.

PARIS/FRANKFURT. Bis Ende 2010 wolle Sanofi 31 neue Wirkstoffe so weit entwickeln, dass ihre Zulassung beantragt werden kann, kündigte Forschungs-Chef Marc Cluzel an. Bis Ende nächsten Jahres seien allerdings nur acht neue Wirkstoffe so weit, zuvor war von zwölf neuen Medikamenten die Rede.

Zu den wichtigen neuen Hoffnungsträgern für die Nummer drei der Pharmabranche gehört der Wirkstoff AVE5026 gegen Thrombose. Er kann nach Erwartung Cluzels einmal das Erfolgsmedikament Lovenox ablösen, dürfte aber nicht vor 2011 auf den Markt kommen. Die Entwicklung des Alzheimer-Medikaments Xaliproden, das im vergangenen Jahr noch zu den Top-Kandidaten der Pipeline gehörte, musste der Konzern dagegen mangels Wirksamkeit einstellen.

Das Portfolio an Wirkstoffen in der Entwicklung ist ein wichtiger Parameter für die Börsenbewertung von Pharmafirmen. Je mehr vielversprechende Medikamente ein Konzern in der so genannten Pipeline hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für kommende Gewinne.

Sanofi-Aventis ist dabei – ebenso wie einige große Konkurrenten – besonders stark auf Fortschritte in der Forschung angewiesen, da ab Anfang des kommenden Jahrzehnts mehrere Bestseller ihren Patentschutz verlieren. Experten von UBS sehen daher rund 43 Prozent des aktuellen Umsatzes bedroht.

Auf der anderen Seite musste der Konzern in jüngerer Zeit mehrere Rückschläge in der Forschung hinnehmen, was im Analystenlager Zweifel an der F+E-Produktivität schürte. So wurde im Juni das Mittel Acomplia, das gegen Fettleibigkeit wirkt und in Europa bereits auf dem Markt ist, von einer Experten-Kommission der US-Zulassungsbehörde FDA wegen erhöhter Suizid-Gefahr bei Test-Patienten abgelehnt. Die hohen Umsatzhoffnungen für das Mittel werden sich damit nicht erfüllen. Sanofi setzt nun auf umfangreiche Studien in der Diabetesbehandlung und hofft, 2009 für diesen Bereich weltweit eine Zulassung beantragen zu können.

Darüber hinaus versuchte der Konzern mit der Präsentation am Montag zu zeigen, dass er auch ohne Acomplia in den USA gut aufgestellt ist. Herausgehoben wurde dabei vor allem das potenzielle Thrombosemittel AVE5026, das in Tests eine höhere Wirksamkeit als Lovenox gezeigt habe, bei einem vergleichbaren Niveau von Nebenwirkungen. Der Wirkstoff soll nun an 10 000 Patienten in einer Phase-III-Studie erprobt werden. Die Experten von Merrill Lynch sind jedoch etwas skeptisch, ob das neue Medikament Lovenox nach Ablauf des Patentschutzes 2012 ersetzen kann, da es nicht oral verabreicht wird und damit einen Wettbewerbsnachteil habe.

Zudem wird der Konzern auf dem Gebiet auf intensive Konkurrenz treffen. So arbeiten sowohl Bayer als auch Boehringer Ingelheim an neuartigen Medikamenten zur Vorbeugung von Thrombosen und haben dabei einen deutlichen Zeitvorsprung gegenüber Sanofi. Boehringer zum Beispiel hat für den Wirkstoff Dabigatran bereits die europäische Zulassung beantragt. Auch im Diabetesbereich wächst der Wettbewerb. Hier konnten zum Beispiel Novartis sowie Merck & Co neue Medikamente auf den Markt bringen. Forschungs-Chef Cluzel bestätigte, dass Sanofi Zukäufe von Biotech-Unternehmen nicht ausschließt. „Es sollte indes ein Unternehmen mit eigenen Produktionskapazitäten sein“, erklärte er. Das Management versprach, dabei keine überzogenen Preise zu zahlen.

Umsatzträger

Bröckelige Blockbuster:

Sanofi-Aventis hat noch eine Reihe Verkaufsrenner, deren Patentschutz aber mittelfristig abläuft. Die wichtigsten sind (gelistet nach Umsatz im 1. Halbjahr)



  • Lovenox:

    1,3 Mrd. Euro, Ende Patentschutz 2012


  • Plavix:

    1,2 Mrd. Euro, Ende Patentschutz 2011


  • Lantus:

    961 Mill. Euro, Ende Patentschutz 2014

Wertvolle Impfstoffe: Die Impfstoffsparte Pasteur zählt ebenfalls zu den Umsatzträgern des Konzerns. Im ersten Halbjahr legte die Sparte um 15 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro Umsatz zu. Neue Impfstoffe wie die gegen Vogelgrippe sollen helfen, den Platz des Marktführers zu behaupten.

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