Produzenten setzen auf Qualität und schnelle Lieferung
Türkische Textilindustrie kämpft gegen Billigkleidung aus China

Viel Zeit bleibt der türkischen Bekleidungsbranche nicht mehr. Am Freitag kommender Woche endet das Welttextilabkommen, das die türkischen Modeproduzenten bislang vor der Billig-Konkurrenz aus China schützt.

ISTANBUL. Trotz der Bedrohung sind die Türken zuversichtlich, sich mit guter Qualität und schneller Lieferung gegen die Offensive der Chinesen zu behaupten. Die Kunden aus Westeuropa sind allerdings weniger optimistisch und gehen davon aus, dass Produktion nach Fernost verlagert wird.

„Wir haben keine Angst vor den Billigwaren der Chinesen, denn wir haben treue Kunden. Denen ist Qualität und Schnelligkeit wichtiger als der Preis“, sagt Ismail Kisacik. Der Chef des Istanbuler Textilkonglomerats Taha Group gibt sich selbstbewusst – wie viele Manager der türkischen Bekleidungsbranche. „Wir machen nicht auf Masse und billig, sondern sind trendig und bieten Qualität“, unterstreicht Süleyman Orakcioglu, Chef des Industrieverbands ITKIB und Gründer des Modeunternehmens Orka Group (Marken: Damant, Tween).

Die Türken waren bislang in einer bequemen Position. Sie hatten über eine Zollunion freien Zugang zu den Märkten der EU, während für Chinas Exporte strenge Quoten galten. Nun fallen diese Beschränkungen weltweit weg – und die Türkei kommt wie viele andere Anbieter unter Druck. Denn China produziert deutlich günstiger als die meisten Länder und besitzt riesige, moderne Fabriken.

Experten gehen deshalb davon aus, dass sich die Branche nächstes Jahr deutlich verändern wird. „Das Geschäft mit einfachen Textilien wird sich nach China verlagern“, unterstreicht Karl-Heinz Mohr, Chef des Starnberger Modefilialisten More & More. „Die sind preislich einfach besser.“

Auch der Sportkonzern Adidas- Salomon lässt immer mehr in Fernost fertigen. „Der Anteil wird sicher noch steigen“, betont Adidas-Managerin Evelyn Ulrich. Viele Firmen hätten dort ihre Maschinen aufgerüstet und das Personal gut ausgebildet. So könnten sie in ähnlicher Qualität liefern wie die türkischen Anbieter.

Allerdings werde der zweitgrößte Sportanbieter weltweit die Türkei deshalb nicht verlassen. Denn einen großen Nachteil hat China: Die Lieferzeiten nach Europa sind lang. Die Kleider sind sechs Wochen auf dem Schiff, bevor sie bei den Kunden in Deutschland ankommen. More & More-Gründer Mohr: „Wer seine Ware schnell haben will, kommt an der Türkei nicht vorbei.“

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