Profil: Mahindra ist Weltbürger mit indischem Pass

Profil
Mahindra ist Weltbürger mit indischem Pass

Anand Mahindra war gerade Mitte 30, als er in dritter Generation an die Spitze des soliden, schläfrigen Familienimperiums vorrückte. Als Gesellenstück musste er das 1945 gegründete Konglomerat von Grund auf sanieren. Es glückte. Heute gehört Mahindra zu den 200 angesehensten Firmen der Welt.

BOMBAY. Es war 1991, die Zeit, als Indien seiner Wirtschaft die Fesseln nahm. „Wir stellten museumsreife Produkte her und mussten unsere Leute überzeugen, mehr als ein paar Stunden pro Tag zu arbeiten“, erinnert sich der heute 52-Jährige an die ersten Herausforderungen. Als Gesellenstück musste er das 1945 gegründete Konglomerat von Grund auf sanieren. Er verkaufte Randaktivitäten, gliederte den Rest in sechs Einheiten, modernisierte Fabriken und vervielfachte die Produktivität. Vor allem verordnete er Marketing, Innovation und Internationalisierung. Das zahlte sich aus. Forbes stuft Mahindra heute unter die 200 angesehensten Firmen der Welt ein.

Ausgetretene Pfade mag der Spross der berühmten Fabrikanten-Dynastie nicht. Mahindra ging standesgemäß nach Harvard, studierte dort aber zunächst Filmwissenschaften. Erst danach sah er den Nutzen eines MBA ein und brachte den nach Hause mit. Der Künstler im Manager bricht sich bis heute Bahn: in einem rasanten Redefluss, der selbst trockene Business-Themen mit Allegorien und Metaphern garniert.

Dunkle Haartolle, schneidiger Blick, energisches Auftreten und ein im Fitness-Studio trainierter Körper machen den Chef schon äußerlich zum Botschafter einer Firma, die mit sportlichen Geländewagen den Weltmarkt aufrollen will. Mahindra ist ein Marketing-Talent – auch für sein Land. Er ist einer der wortgewandtesten Verkäufer Indiens, allgegenwärtig auf Kongressen und ständig im TV. Der Medienprofi nutzt die Auftritte gezielt, um mit dem Familiennamen die Marke in die Welt zu tragen.

Als habe er ein Globalisierungs-Gen im Blut, tritt der Weltbürger mit indischem Pass hemdsärmelig und chronisch gut gelaunt auf wie ein Amerikaner, gibt sich kultiviert und stilbewusst wie ein Europäer und zeigt ein feines Gespür für die Besonderheiten seiner Heimat. Die Herkunft aus seit Generationen verwestlichten Familien erklärt, warum viele indische Manager beim Gang auf den Weltmarkt leichter als Ostasiaten über kulturelle Gräben tänzeln.

Inzwischen hat sich Mahindra aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und führt das Firmenportfolio „wie ein aggressive Venture-Kapitalist“: Er lässt den Chefs einzelner Sparten große Freiheiten, gibt aber strikte Finanzziele vor. Für Kritiker übertüncht dies nur, dass der Gruppe der Fokus fehlt. Sie fragen nach den Synergien zwischen einem Traktorfabrikanten, einem Spezialisten für Telekom-Software und einer Baufirma. Aber in Schwellenländern haben Firmen-Bauchläden für Mahindra Sinn: Die Wachstumschancen seien so riesig, dass es „einfach sträflich wäre, sie vorbeiziehen zu lassen“. Außerdem machten es unreife Märkte ohne Anleger- und Verbraucherschutz Firmen schwer, das Vertrauen von Kunden, Investoren und Nachwuchstalenten zu gewinnen. „Wir bürgen mit unserem Namen für Integrität in allen Geschäftsfeldern.“

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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