Profitabel wie nie
Siemens holt General Electric ein

Ohne viel Aufhebens hat Vorstandschef Peter Löscher das geschafft, wovon Generationen von Siemens-Managern immer geträumt haben: Er hat den Erzrivalen General Electric eingeholt. Und noch nie war der Münchener Konzern so profitabel wie im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10. Doch angeschlagene Boxer sind gefährlich. Das gilt auch für GE.
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MÜNCHEN. Im grauen Anzug, mit roter Krawatte und kampfeslustiger Miene stand Heinrich von Pierer an einem Januarmorgen im Jahr 2002 vor den Siemens-Aktionären. Werbewirksam hielt er eines der neuen Siemens-Handys in die Höhe. Und dann rief er den zehntausend Aktionären zu: "Zu den klaren Zielen gehört das, was wir vor kurzem wohl noch nicht so formuliert hätten, nämlich: Beat GE, beat General Electric!"

GE zu schlagen, den Erzrivalen zu überholen oder doch zumindest in Sichtweite zu gelangen - danach trachteten Siemens-Manager über Jahrzehnte. "Es gab eine regelrechte GE-Paranoia", sagt ein hochrangiger Manager. Unter von Pierer kam Siemens dem Ziel zwar ein Stück näher, doch die Profitabilität des US-Konkurrenten schien unerreichbar. Als von Pierer seinen Schlachtruf ausgab, erzielte Siemens gerade einmal eine operative Umsatzrendite von knapp drei Prozent. GE lag über 20 Prozent.

Nun endlich, fast eine Dekade später, kann von Pierers Nach-Nachfolger Peter Löscher Vollzug melden: "Wir sind auf Augenhöhe", sagte Löscher laut Teilnehmern vor 600 Spitzenmanagern seines Konzerns in Berlin. Siemens dürfte laut Branchenschätzungen mit einer operativen Umsatzrendite von knapp 12 Prozent im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr erstmals das Spitzenniveau von GE erreicht haben.

Ausgerechnet Löscher, ein ehemaliger GE-Mann, hat nun den Durchbruch geschafft. Als er vor drei Jahren als erster Externer die Siemens-Spitze übernahm, war er in der Deutschland AG ein Nobody. Der Österreicher hatte bei Aventis und Merck Karriere gemacht. Doch im Windschatten des Schmiergeldskandals brach Löscher alte Strukturen auf, verschlankte den Konzern und steigerte die Profitabilität deutlich.

In vielen wichtigen Zukunftsmärkten hat Siemens nun die Nase weit vorn. So haben die Münchener Windkraft-Aufträge im Wert von zehn Milliarden Euro in den Büchern - GE kommt nicht einmal auf die Hälfte. Auch auf anderen Zukunftsfeldern hat Siemens bessere Karten. Seit Mitte 2009, sagte Löscher, habe GE in den USA keine einzige Gasturbine verkauft, Siemens aber 20. Die Stimmung im Topmanagement ist so gut wie lange nicht mehr. Mit einer neuen Unternehmensdoktrin - "One Siemens" taufte Löscher sie - will Siemens nun endgültig am Erzrivalen vorbeiziehen. "Wir sind nicht nur auf Augenhöhe, wir gewinnen", sagte ein Topmanager.

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  • so, wie's momentan aussieht, setzten "unsere amerikanischen Freunde" gerade alles daran, sich per inflation zu entschulden.
    (quantitative Lockerung und Konjunkturprogramme auf "inflation komm raus" ...)
    Dies wird wohl auch die einzige Möglichkeit sein, damit die US-Volkswirtschaft wieder auf die beine kommt...

    General Electric -z.b.- steht dann ohne Schulden da - und profitiert von den investitionen im dann entschuldeten Heimatmarkt mit seinem gigantischen investitionsstau...

    Und die Euro-Zone mit ihrem Stabilitätspakt wird am Ende zwar eine starke Währung haben - aber eben auch eine starke Verschuldung mit entsprechender Zinsbelastung
    (die Gläubiger in den USA kassieren dann weiterhin die Zinsen in einer starken Währung - während die Gläubiger der Euro-Zone ihre Forderungen weginflationiert bekommen)

  • Schwache Leistung. Die wesentlichen Produkte bei beiden Firmen fehlen. Und Siemens sitzt seit Jahrzenhentne auf zuviel Kasse. Nicht gerade gutes Management. ich setze auf GE.

    Euer
    Rainer

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