Profiteur des Baubooms Heidelberg Cement will Gewinn deutlich steigern

Weltweit wird wieder gebaut. Heidelberg Cement will den Gewinn darum auch 2018 deutlich ausbauen. Für die Börse war die Prognose trotzdem zu vorsichtig.
Update: 22.03.2018 - 08:48 Uhr 1 Kommentar
Der Dax-Konzern hat sich für 2018 hohe Ziele gesetzt. Quelle: dpa
Heidelberg Cement

Der Dax-Konzern hat sich für 2018 hohe Ziele gesetzt.

(Foto: dpa)

FrankfurtHeidelberg Cement hat 2017 in fast jeder Hinsicht mit neuen Spitzenwerten abgeschlossen und die globalen Wirtschaftsaussichten waren selten so günstig für den führenden deutschen Baustoffhersteller. „Wir erleben eine synchrone Wirtschaftsbelebung in fast allen Ländern, das ist historisch der absolute Ausnahmefall“, konstatiert Firmenchef Bernd Scheifele.

Er sieht den Heidelberger Konzern vor diesem Hintergrund auf solidem Kurs für weiter kontinuierliches Wachstum und „langfristige Wertschaffung.“ In seinem Ausblick für 2018 bleibt Scheifele dennoch eher vorsichtig. Zwar zeichnet sich eine deutlich zweistellige Steigerung beim Nettogewinn ab. Für das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda), die von Analysten und Investoren besonders stark beachtete Ertragskennziffer, stellt er nur einen moderaten Anstieg in Aussicht, das entspricht in der Terminologie des Heidelberger Konzerns einem Plus von drei bis neun Prozent.

Die Börse zeigte sich von dieser Guidance am Donnerstag klar enttäuscht. Die Aktie des Zementherstellers verlor bis zum Nachmittag gut drei Prozent, nachdem sie seit Jahresbeginn bereits mehr als ein Zehntel an Wert eingebüßt hatte.

Scheifele lässt sich davon nicht beeindrucken. „Der Kapitalmarkt versucht uns eine Prognose von mindestens zweistelligem Ertragswachstum abzuzwingen. Dem haben wir uns verweigert. Wir wollen unsere Prognosen einhalten“, sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz.

Der Heidelbergcement-Chef verweist dabei auf weiter steigende Energiekosten sowie weiterhin bestehende makroökonomische und geopolitische Risiken. Vor allem drei Unsicherheitsfaktoren stehen aus Sicht Scheifeles dabei im Vordergrund: Erstens sei noch nicht ganz klar, wie stark der Konjunkturaufschwung und vor allem die Belebung der Baukonjunktur in den USA ausfalle. Zweitens sei noch unsicher, ob der Preisdruck in Indonesien zum Stillstand gekommen ist. Und offen bleibt aus Sicht Scheifeles vorerst auch noch, inwieweit der bevorstehende Brexit die Baukonjunktur auf dem für Heidelcement relativ wichtigen britischen Markt bremst.

Klar ist indessen, dass sich der Heidelberger Konzern nach dem Expansionssprung durch die Übernahme von Italcementi vor zwei Jahren insgesamt in einer sehr starken Verfassung präsentiert.

So erzielte der Baustoffhersteller 2017 in fast jeder Hinsicht neue Rekordwerte bei Umsatz, Absatz und operativem Ergebnis. Auch der Nettogewinn konnte trotz einer deutlich erhöhten Steuerbelastung aufgrund der US-Steuerreform noch um ein Viertel auf 1,06 Milliarden Euro verbessert werden. Er erreichte damit den höchsten Wert seit 2008, als Heidelcement hohe Erträge aus dem Verkauf von Teilbereichen verbuchte.

Der Anteil am Gewinn, der den HeidelbergCement-Aktionären zusteht, legte sogar um 40 Prozent auf 918 Millionen Euro zu, die Dividende soll um ein Fünftel auf 1,90 Euro je Aktie aufgestockt werden, was einer Ausschüttungssumme von 377 Millionen Euro entspricht.

Erstmals seit Jahren wird damit mehr Geld in Form von Dividenden an die Anteilseigner fließen als Zinsen an die Kreditgeber des Konzerns. Rund ein Viertel der Ausschüttung fließt an den Ulmer Unternehmer Ludwig Merckle, den größten Anteilseigner des Baustoffkonzerns.

Der Umsatz von Heidelberg Cement stieg 2017 um 14 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Integration des italienischen Zementkonzerns Italementi, den Heidelbergcement 2016 für rund 3,7 Milliarden übernommen hatte. 

Die Aktivitäten von Italcementi waren 2017 erstmals voll in die Ertragsrechnung eingeflossen, während sie im vorangegangenen Jahr nur zur Hälfte berücksichtigt wurden.  Bereinigt um den Konsolidierungseffekt sowie negative Währungseinflüsse stieg der Umsatz nach Angaben des Unternehmens um zwei Prozent.

Der Betriebsgewinn legte danach auf vergleichbarer Basis um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu, der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) um rund sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.

Anders als der große Konkurrent LafargeHolcim, der Wertberichtigungen von mehr als drei Milliarden Euro auf diverse Auslandsaktivitäten verbuchte und daher rote Zahlen schrieb, wurde der Heidelberger Konzern nicht durch Sonderabschreibungen belastet.  Allerdings sorgte die US-Steuerreform dafür, dass sich der ausgewiesene Steueraufwand auf gut 600 Millionen Euro verdoppelte.  Denn latente Steueransprüche in den USA mussten nach der Absenkung des US-Steuersatzes um rund 285 Millionen Euro nach unten korrigiert werden.

Trotzdem gelang noch eine Steigerung des Nettogewinns. Dazu dürften nicht zuletzt Synergieeffekte aus der Integration von Italcementi beigetragen haben. Diese Einsparungen haben nach Angaben von Heidelcement mit inzwischen 513 Millionen Euro das ursprüngliche Ziel von 470 Euro bereits übertroffen. Der Konzern geht nunmehr davon aus, 550 Millionen Euro an Synergien zu erreichen.

Zugute kam dem Nettogewinn ferner ein weiter verbessertes Finanzergebnis. Der Nettofinanzaufwand fiel mit 391 Millionen Euro um gut 100 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr.

HeidelbergCement profitiert davon, dass man nach und nach hochverzinsliche Anleihen und Kredite aus der Zeit nach 2009 durch niedrig verzinste Schuldverschreibungen ablösen kann. Dieser Trend dürfte sich auch in den nächsten Jahren noch fortsetzen. Das Ergebnis nach Steuern dürfte zusätzlich davon profitieren, dass sich der Steueraufwand nach der einmaligen Belastung in den USA wieder normalisiert. Alles in allem zeichnet sich damit ab, dass sich die erwartete moderate Steigerung des Ebitda unterm Strich in einem relativ kräftigen Sprung beim Nettogewinn niederschlägt.

Auch was den Cashflow angeht, läuft es derzeit relativ rund für den Baustoffriesen. Der Free-Cashflow (nach Sachinvestitionen) legte um ein Viertel auf etwas über eine Milliarde Euro zu, und erreichte damit den mit Abstand höchsten Wert in der Geschichte des Konzerns. Von gut einer Milliarde Euro an Sachinvestitionen stuft der Vorstand knapp 300 Millionen Euro als Erweiterungsinvestitionen ein.

Die Nettoverschuldung konnte daher trotz erhöhter Dividendenzahlungen und einiger kleinerer Zukäufe von neun auf 8,7 Milliarden Euro reduziert werden. Das entspricht rund dem 2,6-fachen des Ebitda. Im laufenden Jahr will der Konzern den Verschuldungsgrad indessen wieder unter 2,5 drücken. Die Sachinvestitionen sollen dabei auf dem Niveau von rund 1,1 Milliarden Euro fortgeführt werden, davon 400 Millionen Euro für die Erweiterung der Kapazitäten. Zu den Schwerpunkten gehört ein 350 Millionen Euro umfassender "Masterplan Zement" für die deutschen Werke. Hier strebt Heidelcement durch eine umfassende Modernisierung eine deutliche Reduktion von Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß an.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Profiteur des Baubooms - Heidelberg Cement will Gewinn deutlich steigern

1 Kommentar zu "Profiteur des Baubooms: Heidelberg Cement will Gewinn deutlich steigern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • PROFITEUR DES BAUBOOMS
    Heidelberg Cement will Gewinn deutlich steigern
    Weltweit wird wieder gebaut. Heidelberg Cement will den Gewinn darum auch 2018 deutlich ausbauen. Das dürfte eine Herausforderung werden.

    ......................

    Die AKTIE IST EMPFEHLENSWERT, WEIL SICH DEUTSCHLAND MIT VOLLE TRESOREN MIT GOLD SICH NICHT LÄNGER ZURÜCK HALTEN KANN UND SCHON BALD MIT SOZIALBAUTEN AN MIETWOHNUNGEN BEGINNEN MUSS wenn es den Sozialen frieden nicht länger gefährden will in Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%