Prognose
Die Zementbranche schwächelt

Die deutsche Zementindustrie hat sich vom konjunkturellen Aufschwung abgekoppelt. Nach den hohen Zuwachsraten im ersten Quartal aufgrund des milden Winters ist die Produktion im zweiten Quartal hinter dem Vorjahresniveau zurückgeblieben. Doch für das Gesamtjahr könnte es noch schlimmer kommen.

DÜSSELDORF. Den starken Nachfrageeinbruch im Wohnungsbau könne auch das Plus im Wirtschaftsbau nicht ausgleichen, sagte Andreas Kern, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Zementindustrie (BDZ) dem Handelsblatt. Hatte der Verband Anfang des Jahres noch mit einem leichten Zuwachs beim Zementverbrauch im Gesamtjahr gerechnet, schließt Kern nun ein Minus von bis zu drei Prozent nicht mehr aus. 2006 war der Zementverbrauch noch um 5,6 Prozent auf 28,6 Mill. Tonnen gestiegen.

Auch die großen Konzerne berichten von einer Absatzdelle in Deutschland. Branchenprimus Heidelberg Cement registriert eine Abschwächung der Zementnachfrage im zweiten Quartal. Konkurrent Dyckerhoff spricht von einer Verlangsamung des Wachstums. Dank ihrer internationalen Ausrichtung können große Konzerne regionale Konjunturschwankungen aber recht gut ausgleichen.

Nach einem Absatzplus von fast 30 Prozent im ersten Quartal büßte die Zementbranche im zweiten Quartal fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Der negative Trend habe sich auch in den Monaten Juli und August fortgesetzt, sagte Kern. Bis einschließlich August habe der Zementabsatz mit minus 0,4 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert gelegen.

Kern begründete den Einbruch mit dem Auslaufen von Vorzieheffekten im Wohnungsbau. Die Abschaffung der Eigenheimzulage 2006 sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 2007 hatten im vergangenen Jahr zunächst für ein starkes Wachstum gesorgt, insbesondere bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Dies hatte sich positiv auf die Zementnachfrage ausgewirkt. Denn etwa ein Drittel des gesamten Zementverbrauchs entfällt auf den Wohnungsbau. In den ersten fünf Monaten blieben die Baugenehmigungen für Eigenheime aber um fast 50 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.

Kern rechnet aber nicht mit einer Fortsetzung des Negativtrends im kommenden Jahr. Die Bremsspuren dürften mit dem Auslaufen der Vorzieheffekte wegfallen und gleichzeitig werde die Nachfrage konjunkturell bedingt wieder zunehmen. Auch die Hypothekenkrise in den USA werde keine größeren Bremsspuren auf dem deutschen Wohnungsbaumarkt nach sich ziehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%