Prognose für 2006
Anstieg der Unternehmenspleiten erwartet

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland steigt nach einer Prognose des Kreditversicherers Euler Hermes 2006 wieder an. Besonders betroffen seien mittelständische Unternehmen. Eines der Hauptprobleme ist die rigorose Kreditpolitik der Banken.

HB DÜSSELDORF. Nach einem leichten Rückgang auf 38 600 Insolvenzen im Jahr 2005 erwarte man für das nächste Jahr eine deutliche Zunahme um 3,6 Prozent auf rund 40 000 Firmenzusammenbrüche, sagte der Chefvolkswirt des weltgrößten Kreditversicherers, Romeo Grill, der Nachrichtenagentur AP. Das Insolvenzrisiko in Deutschland bleibt hoch, eine Besserung ist nicht in Sicht“, betonte er.

Die Summe der gerichtlich angemeldeten Forderungsausfälle werde voraussichtlich um acht Prozent auf 27 Milliarden Euro steigen. Die meisten Pleiten würden bei mittelständischen Unternehmen des Baugewerbes, Dienstleistungsunternehmen sowie im verarbeitenden Gewerbe erwartet, sagte Grill.

Während Banken den Unternehmen im Jahr 2001 noch 300 Milliarden Euro an kurzfristigen Krediten gewährten, waren es 2005 nur noch 240 Milliarden Euro. „Dieser Trend hält an, und die strengen Kriterien zur Kreditvergabe machen insbesondere dem Mittelstand zu schaffen“, betonte Grill.

Immerhin bemängelt jedes vierte Kleinunternehmen laut einer aktuellen Umfrage von Euler Hermes die Bereitschaft ihrer Hausbank zur Kreditvergabe. Eine weitere Belastung ist für viele Firmen die mangelnde Zahlungsmoral ihrer Kunden. „Sie ist nach wie vor schlecht, und auch das bringt insbesondere kleinere Unternehmen in Bedrängnis“, betonte Grill.

So ist die Hälfte der Firmen der Ansicht, dass sich das Zahlungsverhalten ihrer Kunden in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert hat, wie eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers ergab. Immerhin ein Viertel der befragten Betriebe vermutet vorsätzliches Nichtbezahlen, zwei Drittel sehen darin sogar ein strategisches Verhalten bei Großunternehmen.

Zugleich werden immer mehr deutsche Unternehmen Opfer von Betrug, Untreue und Unterschlagung. Die Zahl der Fälle sei 2005 um fünf Prozent auf 1,15 Millionen Fälle gestiegen, sagte Grill. Die Schadenssumme habe sich gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro erhöht, rund 40 Prozent dieser Summe seien durch die eigenen Mitarbeiter verursacht worden. Und obwohl fast 90 Prozent der Unternehmen Wirtschaftskriminalität als ein ernstes Problem betrachteten, sähen sich nur zehn Prozent selbst gefährdet. Die Gefahr wird erkannt, aber gerade der Mittelstand unterschätzt die eigene Gefährdung“, betonte Grill.

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