Prognose gesenkt
Intercell halbiert seinen Börsenwert

Intercell schockiert seine Aktionäre: Der Wiener Impfstoffentwickler hat die Entwicklung eines Wirkstoffs gegen Reisedurchfall eingestellt. An der Börse ging die Aktie auf Talfahrt.
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HB WIEN. Der Marktwert des Wiener Unternehmens halbierte sich am Montag infolge der schlechten Nachrichten nahezu. Das Aus für den Impfstoff hat für Intercell gravierende finanzielle Folgen: Infolge von Abschreibungen rechnet das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr nun mit einem deutlich höheren Verlust als bislang.

An der Börse Wien stürzte die Aktie um 45 Prozent auf 9,45 Euro ab. „Das ist nicht nur ein geringfügiger Einschnitt, sondern das war eines der wichtigen Produkte der Intercell mit erheblichem Marktpotenzial. Die Reaktion ist absolut verständlich“, sagte Daniel Damaska von der Raiffeisen Centrobank. Der Abschlag von sieben Euro auf den Kurs repräsentiere in etwa den Wert des ursprünglich erwarteten Geschäfts mit dem Impfstoffpflaster. Auch in anderen Häusern war die Enttäuschung groß. Die Deutsche Bank stufte das Papier auf „Sell“ zurück. Natixis kürzte die Empfehlung auf „neutral“. Morgan Stanley schrieb in einer ersten Reaktion, nach dem Aus für dieses Produkt sei in nächster Zeit nichts in Sicht, was der Aktie Auftrieb geben könnte.

Mit einem einfach anzuwendenden Pflaster gegen Reisekrankheiten wollten die Wiener viel Geld verdienen. Nach anfänglichen Erfolgen stellte sich aber nun heraus, dass der erwartete Schutz nicht erbracht wird. Die bisherigen Entwicklungskosten von 167 Millionen Euro müssten wohl ganz oder zum Großteil abgeschrieben werden, teilte das Unternehmen mit. Der Verlust werde 2010 daher erheblich höher ausfallen als das bislang erwartete Minus von bis zu 40 Millionen Euro, hieß es. Intercell hatte seinen Verlust bereits im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt

.

Intercell kündigte zugleich umfangreiche Kostensenkungen an, die sich bis ins Jahr 2014 erstrecken sollen. Unter anderem senkt das Unternehmen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im kommenden Jahr um 40 Prozent und will sich bis Mitte 2011 auch organisatorisch neu aufstellen. Einzelheiten nannte Intercell dazu nicht.

Der nunmehrige Rückschlag ist nicht der erste. Auch mit dem Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis, Ixario, blieb Intercell bislang hinter den Erwartungen zurück. Die Verkäufe laufen nach wie vor schleppend.

Das österreichische Unternehmen wird der einzige unabhängige europäische Impfstoffhersteller sein, wenn der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson wie Anfang Dezember angekündigt den niederländischen Konkurrenten Crucell übernimmt.

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