Prognose gesenkt
Leighton zieht Hochtief in die Baugrube

Der Essener Baukonzern Hochtief hat weiterhin unter seiner australischen Tochter Leighton zu leiden. Leighton musste seine Gewinnprognose zurückschrauben. Wie befürchtet, zieht Hochtief nach.
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BerlinVon der Ertragsperle zum Sorgenkind: Die australische Tochter Leighton droht Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief auch die Bilanz 2012 zu verhageln. Der Essener Konzern musste seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr zusammenstreichen, nachdem Leighton zuvor seine Jahresziele wegen anhaltender Probleme bei zwei Großprojekten gesenkt hatte. Im vergangenen Jahr hatte Leighton Hochtief in die Verlustzone gerissen.

Die australische Tochter war mit ihrer Präsenz in den Wachstumsregionen Asiens und Australiens in der Vergangenheit noch ein Erfolgsgarant für Hochtief. Doch nun machen immer neue Verzögerungen bei riesigen Bauprojekten in Australien Leighton zu schaffen und lassen Analysten am Risikomanagement des Unternehmens zweifeln.

Der Hochtief-Vorstand erwarte aus dem operativen Geschäft ein Vorsteuerergebnis des Konzerns von leicht unter 550 Millionen Euro, teilte Hochtief in der Nacht zu Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit. Der Konzerngewinn werde nun bei „knapp unter 180 Millionen Euro“ erwartet. Bislang war Hochtief von einem Vorsteuergewinn von leicht unter 757 Millionen Euro und einem Konzerngewinn von knapp 288 Millionen Euro ausgegangen - und damit leicht unter den Rekordergebnissen aus dem Jahr 2010. Hochtief bekräftigte dagegen seine Erwartungen für Umsatz, Auftragseingang und -bestand.

Die Tochter Leighton hatte zuvor ihre Gewinnprognose um ein Drittel gesenkt. Hintergrund sind Verzögerungen bei zwei wichtigen Bauprojekten und gestiegene Kosten. Die beiden Projekte, eine Mautstraße zum Flughafen in Brisbane und eine Entsalzungsanlage im Bundesstaat Victoria, sollten aber noch 2012 fertiggestellt werden, suchte der Konzern die Anleger zu beruhigen. Leighton benötige auch kein frisches Kapital, betonte der neue Chef Hamish Tyrwhitt, der erst im vergangenen August das Ruder bei Leighton übernommen hatte. Hochtief-Chef Frank Stieler hatte bereits in der Vergangenheit betont, Leighton genauer überwachen zu wollen.

Bei den Anlegern kam die Gewinnwarnung aus Australien erwartungsgemäß nicht gut an. Im frühen Handel verbilligten sich die Aktien von Deutschlands größtem Baukonzern um ein Prozent und waren damit einer der schwächsten Werte im MDax.

Zuvor waren bereits Leighton-Aktien auf Sinkflug gegangen und hatten sich um fast zehn Prozent verbilligt. Die Neuigkeiten aus Australien seien wirklich enttäuschend, erklärten Analysten der DZ Bank. Die Glaubwürdigkeit Leightons sei weiter erschüttert worden. Zudem falle die Absenkung der Prognosen umfassender aus als erwartet.

Bei Hochtief hatten die Probleme Leightons bereits 2011 tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen. Auch damals rissen die beiden Großprojekte in Brisbane und Melbourne Löcher - als Konsequenz wurde das Risikomanagement bei Leighton überprüft. In der Region Asien/Pazifik hatte Hochtief 2011 einen Verlust vor Steuern von 285 Millionen Euro verbucht, insgesamt schrieb Hochtief einen Verlust vor Steuern von 127 Millionen Euro. Die Aktionäre um den spanischen Mehrheitseigner ACS mussten deshalb erstmals seit Jahren auf eine Dividende verzichten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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