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Projekt „Car2go“ startet in Ulm: Daimler macht Taxifahrern Konkurrenz

Lohnt sich für mich ein eigenes Auto? Diese Frage stellen sich Millionen Deutsche – vor allem die, die in Städten leben. Daimler hat nun ein Projekt gestartet, dass für viele eine Alternative bieten könnte: „Car2go“ bedeutet: einsteigen, aussteigen, fahren stehen lassen. Was die Deutsche Bahn mit Fahrrädern anbietet, stellt Daimler bald mit einer Flotte Smart zur Verfügung.

von Martin W. Buchenau
"Car2go": Vielleicht eine gute Idee für Bahnreisende, die kleine Stadtflitzer mögen. Foto: PR Daimler
"Car2go": Vielleicht eine gute Idee für Bahnreisende, die kleine Stadtflitzer mögen. Foto: PR Daimler

ULM. 50 Smarts stehen auf dem Campus des Daimler-Forschungszentrums in Ulm. Die weißblau lackierten Fahrzeuge haben es in sich. Besser gesagt links vorne hinter der Windschutzscheibe. Dort hängt das Lesegerät, ohne das „Car2go“ nicht funktionieren würde. So nennt Daimler sein Carsharing-Projekt, mit dem die Stuttgarter künftig die unter dem Verkehrsinfarkt leidenden Metropolen der Welt erobern wollen - aber zunächst soll es sich in der Provinz bewähren.

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Die Idee ist simpel, die Technologie komplex. Teilnehmer legen ihren Führerschein vor und erhalten dann einen maschinenlesbaren Aufkleber auf ihren Führerschein und eine Pin-Nummer. Die Fahrzeuge stehen in der Stadt verteilt. Der Nutzer hält den Führerschein mit Aufkleber vor das Lesegerät, das ihn so identifiziert. Die Türen öffnen sich. Der Mieter steigt ein. In der Mitte des Armaturenbretts ist ein Bildschirm mit Berührungsfunktion. Er gibt die Pin ein.

Anschließend muss der Mieter kurz ein Urteil abgeben, ob das Fahrzeug verschmutzt oder beschädigt ist. Alles wird automatisch an die Zentrale gemeldet, die die Fahrzeuge jederzeit orten kann. Dann nimmt er den Schlüssel aus dem Handschuhfach und kann losfahren. Zum Tanken liegt eine Tankkarte ebenfalls im Handschuhfach. Beim Abstellen des Fahrzeugs alles in umgekehrter Reihenfolge, zum Schluss wieder den Führerschein von außen vor das Lesegerät halten, die Türen verschließen sich. Der nächste Kunde kann kommen. Die Probe aufs Exempel verläuft reibungslos.

„So einfach wie mobiles telefonieren“, frohlockt Projektleiter Robert Henrich. Die Fahrzeuge werden ansonsten von Service-Teams gewartet. Am 24. Oktober beginnt das Pilotprojekt in Ulm. Die 50 Fahrzeuge können in der ersten Testphase nur von 500 Daimler-Mitarbeitern benutzt werden. Im kommenden Frühjahr soll das Ulmer Pilotprojekt für die Allgemeinheit zugänglich sein und auf 200 Fahrzeuge aufgestockt werden. Abgerechnet wird nach Zeit: 19 Cent die Minute, 9,90 Euro die Stunde und 49,90 Euro für einen Tag - Benzin im Preis inbegriffen.

Geht es nach Jerome Guillen, dann könnte eine Smart-Flotte von 4000 Fahrzeugen auch bald in Paris unterwegs sein. Die französische Hauptstadt schreibt dort gerade ein entsprechendes Projekt aus. Der Auftrag wäre für Daimler und Smart der absolute Durchbruch. Dann wäre Nicolas Hayeks ursprüngliche Idee für den Smart als Mobilitätskonzept für Ballungsräume endlich umgesetzt. „Ideen sind immer alt. Es kommt auf die Umsetzung an“, sagt Guillen selbstbewusst.

Es ist sein erstes großes Projekt, seit Daimler-Chef Dieter Zetsche den 36-Jährigen vor zehn Monaten in die Konzernzentrale holte. Hier soll der gebürtige Franzose neue Geschäftmodelle für den Konzern entwickeln. Die Materie ist sensibel. „Nein wir machen öffentlichem Nahverkehr, Taxifahrern keine Konkurrenz und auch Mietwagen haben ein anderes Geschäftsmodell“, betont Guillen.Sixt und Co gehören wie die Taxi-Unternehmen zu den Kunden der Marke mit dem Stern. Die Smarts mit dem Navi an Bord sind deutlich billiger als Taxen. Was wohl die Berliner Droschkenfahrer zu 5000 Smarts in ihrer Hauptstadt sagen würden?

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