Prosecco in Dosen
Winzer schäumen vor Wut

Für Italiens Weinbauern ist das Fass übergelaufen: Zwar haben sie nichts dagegen, wenn eine spärlich bekleidete Paris Hilton den Prosecco-Umsatz ankurbelt, aber wenn das Schaumweingetränk dafür in Dosen abgefüllt und nun sogar mit Saft vermischt wird, treibt das die Traditionswinzer auf die Barrikaden. Der Kampf um das Qualitätsprodukt Prosecco ist eröffnet.

MAILAND. Die blonde Paris Hilton räkelt sich – gekleidet nur in goldene Farbe auf nackter Haut – auf dem Boden. Schnitt, andere Szene: Der Spross der Hoteliers-Familie präsentiert im knappen goldenen Pailletten-Kleidchen aufreizend eine goldene Dose „Rich Prosecco“. Und Italiens Winzer laufen Sturm.

Grund für den Aufschrei ist in dem an nackte Haut gewöhnten Italien nicht etwa die entblößte junge Dame in der Werbung. Nein, es geht um Inhalte, den Dosen-Inhalt. Denn die österreichische Marke „Rich“ verkauft in der Dose nicht nur italienischen Prosecco – an sich schon Frevel genug in den Augen der italienischen Weinbauern. Sie mischt den edlen Schaumwein nun auch noch mit Fruchtsäften. Unter den Marken „Passion“ und „Royal“ verbreitet Rich den Prosecco in alkoholreduzierter Form mit Fruchtsäften gemischt als neues Lifestyle-Getränk.

Da lief es Fulvio Brunetta, dem Präsident der Landwirtschaftsvereinigung Coldiretti in Treviso „kalt den Rücken herunter“, wie der Verband wissen lässt. Da Rich Prosecco schon heute auf 17 Märkten aktiv ist und im vergangenen Jahr bereits zwölf Millionen Dosen Prosecco weltweit verkauft hat, schwant dem italienischen Puristen Schlimmes: „So werden die Verbraucher auf den neuen Märkten in der Welt denken, dass Prosecco ein Fruchtsaftgetränk ist“, fürchtet Brunetta. Um das zu verhindern, hat er gestern Abend die Winzer seiner Region im Gemeindesaal zusammen getrommelt: Aus Treviso stammen schließlich Prosecco-Sorten mit dem Gütesiegel doc (denominazione di origine controllata) wie Conegliano und Valdobbiadene. Gemeinsam wollen sie alles daran setzen, den Prosecco und seinen guten Ruf zu schützen und gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten.

Nördlich von Italien gibt man sich unschuldig: Rich-Gründer Günther Aloys versteht sich als Missionar des italienischen Proseccos: „Prosecco wurde durch uns international zu einem Begriff, zu einer werthaltigen Marke, wovon die Weinbauern nur profitieren“, verteidigt sich der Getränke-Manager, der sich bereits als Hotelier einen Namen gemacht hat. Zuvor sei Prosecco außerhalb von Italien nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Begriff gewesen. Er dagegen habe den italienischen Schaumwein auch in osteuropäischen Länder, in Dubai und in Südkorea zum „Lifestyle-Getränk“ gemacht.

Aloys sieht sich völlig im Recht. Schließlich stehe auf seinen neuen Frucht-Versionen „Passion“ und „Royal“ das Wort Prosecco gar nicht auf der Dose, betont der Österreicher. Er hat sich schließlich vorher auch juristischen Rat eingeholt. Und Paris Hilton? Die singt zu Reggae-Rhythmen mit säuselnder Stimme „I don’t mind“ – Titel des Liedes: „Stars are blind“.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%