Protest gegen Milliarden-Auftrag
Waghalsiges Manöver

Die Dauerfehde zwischen Boeing und Airbus erreicht einen neuen Höhepunkt. Mit juristischen Mitteln will der US-Konzern nun in letzter Minute verhindern, dass die europäische EADS einen Großauftrag der US-Luftwaffe ergattert. Die Vorwürfe sind hart und reißen alte Wunden auf.

NEW YORK/WASHINGTON/PARIS. Wer Verkaufsschlager wie den Boeing Dreamliner herstellt, nutzt heute weltweite Expertise: Die Flügel des neuen Langstreckenflugzeugs Boeing 787 kommen von Kawasaki aus Japan, Teile des Kunststoffrumpfes vom Zulieferer Alenia aus Italien. Der US-Konzern selbst beschränkt sich auf die Endmontage, bei der vorgefertigte Komponenten und Triebwerke innerhalb weniger Tage zusammengesetzt werden. Der Anteil ausländischer Arbeit am 787-Programm beträgt gut 70 Prozent und brachte dem Dreamliner einen zweiten Spitznamen ein: "Spar-Jet".

Boeing übte auf den Erzrivalen Airbus einen derart hohen Kostendruck aus, dass auch der europäische Flugzeugbauer mit einem verstärkten Outsourcing-Prozess begann - wegen des schwindsüchtigen Dollar-Kurses unter anderem in den USA. Jetzt sollen die Europäer dort gemeinsam mit ihrem US-Partner Northrop Grumman 179 große Tankflugzeuge auf Basis des Airbus A330 bauen - wenn der US-Rechnungshof den überraschenden Zuschlag nicht noch kippt.

Mit Blick auf die weltweit verzweigte Luftfahrtindustrie stößt der Protest von Boeing, der bei einem der größten Milliardenaufträge des US-Militärs leer ausging, bei weitem nicht in allen amerikanischen Medien auf Sympathie: "Wann ist Globalisierung ein schlechtes Wort?" fragte die "Business Week". Antwort des US-Magazins: "Für Boeing-Befürworter offenbar dann, wenn der Wettbewerber den Kampf um einen lukrativen Auftrag der US-Luftwaffe gewinnt."

Mit dem Protest, den der US-Rechnungshof innerhalb von 100 Tagen zu prüfen hat, geht Boeing ein hohes Risiko ein: Verzögert sich die Auslieferung der von der Air Force dringend benötigten Tanker weiter, droht Boeing bei seinem wichtigsten Auftraggeber, dem Pentagon, in Ungnade zu fallen. Der Verweis von Boeing-Konzernchef Jim McNerney auf "ernsthafte Verfahrensfehler" rückt außerdem frühere Mauscheleien zwischen Industrie und US-Militärs wieder ins Blickfeld: So hatte die frühere Boeing-Chefetage im ersten Anlauf des Tankerauftrags die Beschaffungsbeauftragte des Pentagons massiv bestochen. Boeing-Finanzchef Michael Sears und die Pentagon-Frau wanderten ins Gefängnis, Konzernchef Phil Condit musste zurücktreten, der Konzern bekam den Milliarden-Deal entzogen.

Nur Politiker aus den Bundesstaaten Washington und Kansas, in denen Boeing große Produktionsstätten hat, klatschten nach dem Protest lauten Beifall: Schließlich lege eine Entscheidung für Airbus "die Zukunft der US-Luftfahrt und die nationale Sicherheit in die Hände eines illegal subventionierten ausländischen Wettbewerbers", sagte Washingtons Senatorin Patty Murray.

Der Airbus-Tanker habe den Vorzug erhalten, weil er schlicht besser geeignet sei, hatten die US-Militärs zuvor betont. Er sei größer als das von Boeing angebotene Modell, könne mehr Treibstoff und mehr Passagiere transportieren. Darüber hinaus gebe es mehr Lazarettplätze. Rüstungsexperten räumen dem Boeing-Protest vor diesem Hintergrund kaum Erfolgschancen ein. John Kutler von der Investmentfirma Admiralty Partners aus Los Angeles geht davon aus, dass die Air Force angesichts der politischen Verwicklungen "jedes i-Tüpfelchen" untersucht hat: "Ich glaube nicht, dass Boeing gute Chancen hat, den Deal zu kippen", sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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