Protest gegen Sparpläne bei Opel
GM prüft Verkauf von Saab und Pontiac

Ausverkauf bei General Motors: Das Management des angeschlagenen US-Autoherstellers denkt laut einem Medienbericht darüber nach, sich von drei weiteren Marken zu trennen, um die Chancen auf einen staatlichen Überbrückungskredit zu erhöhen. Auch bei der deutschen Konzerntochter Opel will das Management harte Einschnitte vornehmen.

rüd/hz/mwb NEW YORK/FRANKFURT. GM prüfe den Verkauf der Marken Saturn, Saab und Pontiac, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Für seinen schweren Sport-Geländewagen Hummer sieht sich der Opel-Mutterkonzern bereits seit Juni nach einem Käufer um. Zu GM gehören in den USA außerdem noch Buick, Cadillac, Chevrolet und GMC.

GM-Chef Rick Wagoner muss, wie auch die Vorstände der ebenfalls Not leidenden Konkurrenten Chrysler und Ford, den US-Kongress davon überzeugen, dass die Konzerne überlebensfähig sind. Das ist die Voraussetzung, um die geforderten Staatshilfen in Höhe von 25 Mrd. Dollar zu erhalten. Die Parlamentarier hatten den Auto-Managern ein Ultimatum bis zum 2. Dezember gestellt. Bis dahin müssen Wagoner, Chrysler-Chef Robert Nardelli und Alan Mulally von Ford einen Plan vorlegen, wie sie das Geld der Steuerzahler verwenden wollen. Allein GM fordert zwölf Mrd. Dollar, um einen Konkurs zu vermeiden. Andernfalls seien die Folgen für die gesamte Wirtschaft "desaströs", hatte Wagoner gewarnt.

Nun suchen die Autohersteller nach Möglichkeiten, Geld zu sparen. GM soll bereits planen, Mitarbeiterrechte einzuschränken und Zahlungen an einen Rentenfonds für ehemalige Angestellte zu verschieben.

Auch bei der deutschen Konzerntochter Opel will das Management harte Einschnitte vornehmen. Die Arbeitskosten müssten um mindestens zehn Prozent sinken, schrieb GM-Europachef Carl-Peter Forster in einem Brief an die Opel-Beschäftigten, das dem Handelsblatt vorliegt. Dazu müssten die Arbeitszeiten gekürzt und die Gehaltskosten gesenkt werden. Vorerst wolle man aber ohne Personalabbau auskommen.

Der europäische Gesamtbetriebsrat des Autobauers lehnte die Pläne rigoros ab. Es müsse zunächst ein zukunftsfähiger Geschäftsplan vorgelegt werden, bevor man über Kosteneinsparungen sprechen könne, erklärte der Vorsitzende des Betriebsrats, Klaus Franz. In einem eigenen Schreiben an die Belegschaft, das ebenfalls dem Handelsblatt vorliegt, forderte er eine weitgehende Garantie für das Europageschäft auch für den Fall einer GM-Pleite sowie ein Geschäftsmodell für die nächsten fünf Jahre. Dies sei die Vorbedingung für Zugeständnisse der Arbeitnehmer.

Die Sparmaßnahmen des Mutterkonzerns GM sind ungleich drastischer. Durch einen Verkauf oder gar die Schließung weiterer Marken hoffe der Autobauer zu verhindern, dass ihm noch in diesem Jahr das Geld ausgehe, hieß es im Umfeld von GM. Das Direktorium werde am 30. November und 1. Dezember über den Plan beraten. Ein Unternehmenssprecher am Konzernsitz in Detroit wollte zu den Berichten nicht Stellung nehmen.

Dass der Konzern seine 82 Jahre alte Marke Pontiac auf den Prüfstand stellt, zeigt, wie tiefgreifend die Einschnitte sein werden. Im laufenden Jahr sind die Absatzzahlen bei der Traditionsmarke mit 21 Prozent stärker gesunken als die Autoverkäufe in der gesamten Branche (15 Prozent). Wegen mangelnden Kundeninteresses hatte sich GM bereits 2000 von der 103 Jahre alten Marke Oldsmobile getrennt.

Auch die Absatzzahlen der jungen GM-Marke Saturn, die seit 1990 auf dem Markt ist, sind in diesem Jahr um 19 Prozent geschrumpft. Bei der schwedischen Marke Saab, die GM 2000 vollständig übernommen hatte, sieht es noch ernster aus: Hier brachen die Verkäufe allein im Oktober um 31 Prozent ein. Die sinkenden Absatzzahlen verschlimmern den Gesamtverlust von GM weiter, der seit Ende 2004 auf fast 73 Mrd. Dollar geklettert ist.

Neben der Palette von acht Marken wird darüber hinaus das Händlernetz von GM überprüft. Der Konzern zählt nach Firmenangaben insgesamt 6 400 Verkaufsstellen, davon 1 071 für Pontiac, 400 für Saturn und 105 für Saab. An einigen Filialen wurden bereits Marken zusammengelegt, GM erlaubte am Donnerstag allen Händlern, überzählige Saturn-Fahrzeuge ins Programm zu nehmen.

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