Proteste in der Ukraine
Wie deutsche Firmen mit den Unruhen umgehen

Auch während der Ausschreitungen in der Ukraine versuchen deutsche Firmen ihre Geschäfte weiterzuführen - im Zentrum Kiews ein verzweifeltes Vorhaben. Die Automobilzulieferer sind hingegen noch nicht betroffen.
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Die Unruhen in Kiew gehen mit unverminderter Härte weiter: Medien berichten, dass Dutzende Menschen auf den Straßen der ukrainischen Hauptstadt ums Leben gekommen sind. Der angekündigte Waffenstillstand und die angedrohten Sanktionen der EU zeigen bislang keine Wirkung.

Auch deutsche Unternehmen sind von den Auseinandersetzungen betroffen: Der Chemiekonzern BASF, der in der Ukraine etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt und dessen Zentrale in Kiew liegt, hat seine Büros vorübergehend geschlossen. Andere deutsche Firmen im Zentrum der Hauptstadt haben einen Notdienst eingerichtet – viele Angestellte arbeiten von zu Hause aus.

Wer seine Niederlassung allerdings nicht im Umkreis von zwei Kilometer um den umkämpften Maidan-Platz hat, spürt die Krise kaum. So wie Roland Kaschny: „Das Schlimmste ist, dass ich wegen Straßensperren jeden Abend eine halbe Stunde später nach Hause komme. Mehr auch nicht“, sagt der Geschäftsführer von Klingspor in der Ukraine. Die Zentrale des Unternehmens, das sich auf Schleiftechnologie spezialisiert hat, liegt etwa 550 Kilometer vom Epizentrum der Ausschreitungen in Kiew entfernt.

Auch Tobias Baumann, Osteuropaexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, berichtet, dass die Arbeit der Automobilzulieferer im Osten des Landes bisher nicht beeinträchtigt ist. „Das ist besonders wichtig, weil die Autohersteller in Deutschland ansonsten die Auswirkungen spüren könnten“, sagt Baumann.

Er sorgt sich allerdings um die Zukunft des Landes. Denn in anderen Teilen der Ukraine gebe es deutsche Firmen, die allmählich darüber, nachdenken das Land komplett zu verlassen. „Es wird ja nun schon seit mehreren Monaten demonstriert und Besserung ist kaum in Sicht“, erklärt der Ukraine-Experte. Neue Projekte und Planungen seien jedenfalls überall gestoppt worden.

Länderanalyst Steven Eke vom britischen Beratungsunternehmen Control Risks blickt ebenfalls missmutig in die Zukunft. Weil der politische Betrieb in Kiew stark beeinträchtigt ist, können keine gesetzlichen Veränderungen beschlossen werden. „Dadurch können vorerst auch keine Gesetze auf den Weg gebracht werden, die das Geschäftsleben in der Ukraine erleichtern könnten“, sagt Eke. Auch deshalb befürchtet er, dass die ohnehin schon geringen Investitionen aus dem Ausland weiter zurückgehen.

Roland Kaschny von Klingspor ist sich indes sicher, dass das Geschäft in der Ukraine weiter seine gewohnten Wege gehen wird. Er glaubt an seinen Produktionsstandort und investiert dort auch kräftig: „Wir haben erst kürzlich eine dritte Halle gebaut“, sagt er „und die werden wir auch wie geplant nutzen.“

Patrick Schwarz
Patrick Schwarz
Handelsblatt Online / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Proteste in der Ukraine: Wie deutsche Firmen mit den Unruhen umgehen"

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  • Jeder Ukrainisches Mensch weiß wie wurde er ausgewählt -deswegen die Menschen schreien und sterben.Das ist eine Wahre Geschichte ! Hitler ließ niemals auf die Ärzte des Roten Kreuzes schießen. Aber Janukovych viele Ärzte verletzt und ins Gefängnis gesteckt. Zweihundert Journalisten wurden verwundet.Alle Händys werden abgehört die Menschen können nicht um Hilfe rufen - dann kommen sofort die Polizisten von Janukovych Mafia und bringen die Menschen ins Gefängnis, da werden sie geschlagen und zu falschen Aussagen gezwungen.Janukovych ist Putins Marionette, dieser nutzt die Olympische Spiele zur Positiven Selbstdarstellung.

  • @ukraina
    Hören Sie Bitte auf solche propaganda gegen Russische Volk hier rumzutreiben.
    Also Ukrainische Volk hat sich selbst Ihr President Janukowitsch nach der "Orangene Revolution" gewelt und die wahlen wurden von USA und Europa aufseher annerkant.
    Und jetzt plözlich ist Russland in eure problemme schuld ist.

  • In den Krankenhäusern in Kiev kommen die Polizisten und töten dort verwunderte Menschen und bringen sie in den Wald. 20.02 wurde geschossen in den Hals eine 21 jährige Ärztin Oлеся Жуковская.Die Sniper kommen aus Russland töten ukrainisches Volk.Heute wurde geschoßen 100 Menschen pro 1 Tag.

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