Protesttag
Airbus-Mitarbeiter wehren sich

Mit einem europaweiten Aktionstag protestieren die Mitarbeiter von Airbus gegen das Sparprogramm „Power 8“, das tausende Arbeitsplätze beim Flugzeugbauer kosten soll. Den Anfang macht ein deutscher Standort, den es besonders hart getroffen hat.

HB LAUPHEIM. Mit einer Kundgebung und einer Menschenkette rund um das Werk Laupheim haben mehr als 2 000 Airbus-Mitarbeiter und Sympathisanten am Freitag gegen den geplanten Verkauf des Standortes protestiert. Mit einem Pfeifkonzert und Plakaten drückten die Mitarbeiter ihren Unmut gegen die Sanierungspläne des Airbus-Mutterkonzerns EADS aus. So war auf Plakaten zu lesen: „Erst Power 8, dann Hartz IV“. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) bekräftigte, dass die Landesregierung sich für den Standort einsetzen werde.

Airbus war durch Lieferverzögerungen seines neuen Großraumjets A380 in die Krise geraten und will sie mit dem Abbau von 10 000 Stellen und dem Verkauf bzw. der Ausgliederung von sechs Werken in Deutschland und Frankreich bewältigen. Neben Laupheim bei Ulm stehen auch die niedersächsischen Werke Varel und Nordenham auf der Liste. Die Mitarbeiter fordern den Erhalt aller Airbus-Standorte im Konzernverbund.

Proteste in ganz Europa

In Deutschland sollen laut dem Sanierungsprogramm „Power 8“ 3 700 und in Frankreich 4 300 Stellen wegfallen. Insgesamt beschäftigt Airbus in Europa 52 000 Menschen. Arbeitnehmervertreter hatten zu dem europaweiten Protesttag gegen das Vorhaben aufgerufen. Allein in Hamburg rechnen die Veranstalter für die zentrale Kundgebung mit rund 20 000 Teilnehmern. Als Redner werden der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und sein baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger erwartet. In Hamburg steht das mit 12 000 Beschäftigten größte Werk. Hier findet unter anderem die Endmontage von Kurz- und Mittelstrecken-Jets der A320-Baureihe statt.

An allen sieben deutschen Airbus-Standorten soll die Arbeit am Freitag zeitweise unterbrochen werden. Auch in Spanien und Frankreich protestieren die Mitarbeiter. Im Werk Toulouse wurde die Arbeit am Freitag an zwei Fließbändern für zwei Stunden gestoppt. Die Mitarbeiter versammelten sich vor der Verwaltung von Airbus und der Muttergesellschaft EADS in Blagnac.

Ziel des Managements sei, wie beim Konkurrenten Boeing, so viel Arbeit wie möglich auszugliedern, sagte Jean-Francois Knepper von der Gewerkschaft Force Ouvriere. „Wir sagen Nein und nochmals Nein und wenn sie nicht auf uns hören, müssen wir zu schärferen Maßnahmen greifen. Warum nicht etwa die Fließbänder blockieren?“ In Paris war ein Marsch auf den EADS-Sitz geplant.

Verteilte Produktion

Airbus baut seine Flugzeuge derzeit an 16 verschiedenen Standorten in Europa. Rund ein Drittel der Maschinen werden in den sieben deutschen Werken entwickelt und montiert. Dort arbeiten 21 300 Mitarbeiter, an den vier französischen Standorten sind es 17 000. In den zwei britischen Werken sind 9 700 Menschen beschäftigt, in Spanien an drei Standorten 4 700 Mitarbeiter.

Im zum Verkauf stehenden Laupheim mit rund 1 200 Mitarbeitern werden Kabinen-Inneneinrichtungen und Frachtraumverkleidungen entwickelt und hergestellt. In Varel erfolgt unter anderem die Entwicklung und Konstruktion von Fertigungsmitteln aus Aluminium, Titan und Stahl. 1 300 Menschen arbeiten hier. Nordenham mit 2 250 Beschäftigten ist Zentrum für Großblechfertigung und Schalenbau der Airbus-Flugzeuge. Nicht betroffen vom Verkauf sind die Werke Hamburg, Bremen, Buxtehude und Stade.

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