Prozess um Absturz
Airbus-Technik vor Gericht

Bei dem Prozess um einen Airbus-Absturz vor 14 Jahren bei Straßburg mit 87 Toten steht vom nächsten Dienstag an in Colmar die Airbus-Technik im Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung.

HB COLMAR. Zunächst soll der Unglücksflug der A320-Maschine von Lyon nach Straßburg am 20. Januar 1992 rekonstruiert werden. Damals starben auch acht Deutsche. Die anschließenden vier Wochen sind technischen Detailfragen des Landeanflugs gewidmet, da die Experten widersprüchliche Thesen über die Absturzursache aufgestellt haben. Auch die damaligen Expertisen, in denen zunächst von menschlichem Versagen die Rede war, sollen unter die Lupe genommen werden. Die A320 der früheren Fluggesellschaft Air Inter war beim Landeanflug auf den Flughafen Straßburg Entzheim zu niedrig geflogen und gegen eine Bergflanke geprallt. Angeklagt sind sechs Verantwortliche der Fluggesellschaft, des Flugzeugbauers und der Luftfahrtbehörde, denen fahrlässige Tötung vorgeworfen wird. Ihnen drohen zwei Jahre Haft. Der Prozess dauert bis Ende Juni. Ein Urteil wird frühestens im September erwartet.

Überlebende der Katastrophe haben zum Abschluss der ersten Prozesswoche von einem „Albtraum“ berichtet, der sie auch noch 14 Jahre nach dem Unglück verfolge. Neun Passagiere überlebten damals und mussten bei minus zehn Grad Celsius vier Stunden lang auf Rettungsdienste warten. „Mich haben zwei Männer auf dem Rücken getragen und in einen Lastwagen gelegt, ohne Decke, aber ich wurde erst zwei Stunden später in ein Krankenhaus gebracht“, berichtete Laurence Bonnetaud. Auf sieben Jahre Behandlung und zehn Jahre mit Krücken blickt Claude Cohana zurück, die damals ungeachtet ihrer schweren Verletzungen fünf Stunden lang ihre 13 Monate alte Tochter vor dem Kältetod geschützt hat.

Trotz wiederholter Klagen und Forderungen der Opfervereinigung Echo ist wegen der Langsamkeit der Rettungsdienste keine Anklage erhoben worden. Nach Einschätzung von Echo hätten mindestens sechs Passagiere überlebt, wenn sie schneller ärztlich behandelt worden wären.

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