Prozess um Ölkatastrophe: Anklage wirft BP Fahrlässigkeit und Verlustangst vor

Prozess um Ölkatastrophe
Anklage wirft BP Fahrlässigkeit und Verlustangst vor

Grobe Fahrlässigkeit, Profit wichtiger als Sicherheit: Diese Vorwürfe machen die USA dem Ölkonzern BP im Prozess nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Trotzdem scheint eine außergerichtliche Einigung möglich.
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New Orleans/LondonDrei Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat in den USA ein milliardenschwerer Prozess um Schadenersatz begonnen. Vor einem Gericht in New Orleans klagen seit Montag die US-Regierung und fünf Bundesstaaten gegen den Mineralölkonzern BP.

Der Staat will wegen Verstößen gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung („Clean Water Act“) und andere Vorschriften bis zu 21 Milliarden US-Dollar (15,94 Mrd Euro) haben. Währenddessen verhandeln beide Seiten hinter den Kulissen weiter an einer ebenfalls milliardenschweren außergerichtlichen Einigung.

Ein Rechtsvertreter des US-Justizministerium warf BP in seinem Eröffnungsplädoyer grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der Sicherheit vor. Noch wenige Tage vor der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 hätten Ingenieure des Ölkonzerns vor großen Problemen gewarnt, legte der Regierungsanwalt Michael Underhill dar.

Jedes „sicherheitsorientierte Unternehmen“ hätte die Operation zu diesem Zeitpunkt abgebrochen, BP aber sei von den hohen Verlusten geblendet gewesen, die das Unterfangen vor der US-Südküste bis dahin bereits verursacht hätten.

Auch der Klägeranwalt Jim Roy zeichnete zu Beginn des Prozesses ein düsteres Bild von BP. Der Konzern habe die Bohrinsel neun Jahre lang unterhalten, ohne dass vorgeschriebene Inspektionen durchgeführt worden seien. Der Prozess werde zeigen, dass es bei BP eine Risikokultur gab, die „eher verlustavers als risikoavers“ gewesen sei.

Es habe eine Unternehmenskultur geherrscht, in der „Profite über Sicherheit“ gestellt worden waren, sagte Roy, der vor Gericht als Zivilkläger einige Geschädigte vertrat. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Demonstranten versammelt. Der Prozess wurde wegen des großen Interesses per Video in zusätzliche Gerichtsräume übertragen.

Das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ hatten am Wochenende gemeldet, dass eine außergerichtliche Zahlung von 16 Milliarden US-Dollar angepeilt werde, um eine monate- oder gar jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Der Entwurf enthalte auch Vorschläge zur Aufteilung des Geldes zwischen den betroffenen Bundesstaaten.

BP hatte erklärt, unter vernünftigen Umständen zu einer Einigung bereit zu sein. Die Maximalforderungen der Regierung hatte BP-Anwalt Rupert Bondy jedoch als „exzessiv“ abgelehnt.

Die USA gehen davon aus, dass nach der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 mit elf Toten 4,9 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) ins Meer geflossen sind. BP geht von einer Menge von 3,1 Millionen Barrel aus.

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben bisher auf die Zahlung von insgesamt rund 38 Milliarden US-Dollar für die größte Ölkatastrophe in der US-Geschichte verpflichtet - 23 Milliarden davon sind bereits ausbezahlt. Insgesamt rechnet BP bisher mit Kosten von 42 Milliarden US-Dollar für die Ölkatastrophe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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