P+S-Insolvenz
Werften schulden Gläubigern halbe Milliarde Euro

Die P+S Werften, die in Stralsund Insolvenz angemeldet haben, haben Forderungen von mindestens einer halben Milliarden Euro nicht beglichen. Ob ein Insolvenzverfahren in Eigenregie Erfolg haben kann, prüft ein Anwalt.
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StralsundDie P+S-Werften in Stralsund und Wolgast sehen sich mit Forderungen von mehr als einer halben Milliarde Euro konfrontiert. Im Insolvenzantrag werden allein für die Gruppe der Großgläubiger Forderungen in Höhe von 511 Millionen Euro benannt, wie der Sprecher des Amtsgerichtes Dirk Simon am Donnerstag der dpa sagte.

Aufgelistet sind demnach Forderungen des Großgläubigers Nord LB in Höhe von 326 Millionen Euro, der VHV-Allgemeine Versicherung und der QBE Insurance Europe von insgesamt 115 Millionen Euro und des Landesförderinstituts von 70 Millionen Euro. Hinzu dürften weitere Millionen-Forderungen aus der Gruppe der Kleingläubiger kommen, zu denen auch die vielen Zulieferer gehören.

Das Amtsgericht Stralsund hatte am Donnerstag einen vorläufigen Insolvenzverwalter für die finanziell schwer angeschlagenen P+S Werften in Mecklenburg-Vorpommern bestellt. Der Hamburger Rechtsanwalt Berthold Brinkmann sei beauftragt worden, die Erfolgsaussichten des von der Werft beantragten Insolvenzverfahren in Eigenregie zu prüfen, sagte ein Gerichtssprecher. Seine Aufgabe sei zudem, die Schulden und das Vermögen von P+S im Interesse der Gläubiger zu sichern. Brinkmann leitete bereits das Insolvenzverfahren der Hamburger Sietas-Werft und Rostocker Wadan-Werften.

P+S strebt ein Verfahren an, bei dem nicht ein Insolvenzverwalter die Geschäfte übernimmt, sondern das Management um Geschäftsführer Rüdiger Fuchs den Sanierungskurs weitgehend selbst bestimmen kann. Dieses Verfahren wird seit der Reform des Insolvenzverfahrens von immer mehr Unternehmen bei der Restrukturierung genutzt.

Die P+S Werften mit knapp 2000 Beschäftigten stecken seit mehreren Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Die Situation hatte sich vor kurzem durch Lieferverzögerungen verschärft. Daraufhin stoppten Bund und Land die Auszahlung von Rettungsbeihilfen, weil absehbar wurde, dass die zugesagten 152 Millionen Euro Staatshilfe für die Sanierung nicht ausreichen würden. Als die Abnehmer von Schiffen, darunter als größte die Reedereien Scandlines und DFDS, nach Darstellung P+S zu keinen Zugeständnissen bereit war, musste das Schiffbauunternehmen Insolvenz anmelden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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