P+S-Werftenkrise
Rettung kostet fast 300 Millionen Euro

Die Rettung der P+S-Werften wird noch teurer als bisher veranschlagt: Fast 300 Millionen Euro sind nach jüngsten Berechnungen nötig, um sicheres Fahrwasser anzusteuern. Die Mitarbeiter sollen helfen.
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Schwerin/StralsundDie Rettung der angeschlagenen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast wird immer teurer. War bisher von einem Finanzloch von rund 200 Millionen Euro die Rede, hieß es am Freitag nach einer Sondersitzung des Kabinetts in Schwerin, dass eine Umstrukturierungsbeihilfe von voraussichtlich 292 Millionen Euro nötig sei.

Von dieser Summe müssten 40 Prozent - 109,6 Millionen Euro - von Privaten aufgebracht werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach der Sitzung. Dann könnten Bund und Land 182 Millionen dazulegen. Das sei mit der Europäischen Kommission in Brüssel so abgestimmt.

Mit den Zulieferern soll in den kommenden Wochen über den Verzicht auf offene Forderungen und Investitionen in den Werftbetrieb gesprochen werden.

Mit der Belegschaft soll über eine Beteiligung am Unternehmen gesprochen werden. Von den Banken und vom Eigentümer wird ebenfalls ein Engagement erwartet. Dieses allein werde aber nicht ausreichen, um den Anteil an privatem Geld aufbringen zu können, begründete der Ministerpräsident den Vorschlag, die 1750 Mitarbeiter mit ins Boot zu holen.

Auf Arbeitnehmerseite ist die Bereitschaft vorhanden, sich für den Erhalt der Werften zu engagieren. „Die Richtung stimmt“, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte von Vorpommern, Guido Fröschke, zum Rettungsvorschlag der Landesregierung. Mit dem nun vorliegenden Konzept könnten die Werftenstandorte Stralsund und Wolgast sowie alle Arbeitsplätze erhalten werden.

Dass sich die Mitarbeiter mit Geld am Unternehmen beteiligen, trage die Gewerkschaft grundsätzlich mit. Unklar sei noch, in welcher Größenordnung das Engagement nötig und mit welchen Risiken dieser Beitrag verbunden sei. Dies werde sich in den kommenden drei Wochen entscheiden. Am Montag werden Geschäftsführung und Betriebsrat die Belegschaften über das Modell informieren und um Zustimmung werben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " P+S-Werftenkrise: Rettung kostet fast 300 Millionen Euro"

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  • Oha, diese Frage ist gut.
    Gibt es einen Plan zur Rückzahlung? Ein wirklich hübscher Traum.
    In der Realität gab es 2010 schon 326 Mio € Beihilfen/Subventionen. Nun sollen zwei Jahre später weitere 292 Mio € folgen.
    Die Löhne der Mitarbeiter werden, nach Information des Betriebsrates, zum Januar 2013 planmäßig angehoben und die P+S Werften haben nach eigener Aussage weitere "lukrative" Aufträge in Höhe von 1 Milliarde € abgeschlossen.
    Das macht doch Mut!
    Hiermit sind die Steuerzahler schon mal aufgerufen in den kommenden Jahren kräftig zu sparen.
    Denn das Jahr 2014 kommt bestimmt.
    Und damit der Ruf nach neuen Millionen.
    Vielen Dank und weiter so.
    P+S

  • Ah, bloß 170.000 Euro pro Arbeitsplatz, dann is' ja gut. Woher nimmt MV das Geld? Aus dem Länderfinanzausgleich? Und: wie tragfähig und nachhaltig ist die Rettung? Gibt es einen Plan zur Rückzahlung der Beihilfe? Werden in Not geratene Zulieferer auch unterstützt?

  • Ein Wort wie Schwerter zu Pflugscharen, jetzt Arbeit zu Spekulanten, wenn Ulbricht das noch haett erfahren duerfen. Moeglicherweise aber auch nur ein Bauernlegen.

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