PSA und DP World erhöhen Angebote
Bieterkampf um P&O spitzt sich zu

Singapur und Dubai liefern sich eine hitzige Übernahmeschlacht um das britische Traditionsunternehmen P&O. Der britische Betreiber von Häfen und Fährdiensten empfahl seinen Aktionären am Morgen zunächst das Angebot der Singapurer PSA International in Höhe von 3,55 Mrd. Pfund (5,2 Mrd. Euro). Am Abend schwenkte er dann wieder um, nachdem DP World den Preis auf rund 3,9 Mrd. Pfund aufstockte. Das Dubaier Unternehmen hatte den Kampf mit einem Gebot von 3,3 Mrd. Pfund eröffnet.

HB LONDON. Das letzte Angebot von 520 Pence je Aktie ist frei von Bedingungen und liegt um mehr als 70 Prozent über dem Kurs der P&O-Titel vom 27. Oktober 2005 – dem letzten Handelstag, bevor Übernahmespekulationen aufkamen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht, denn hinter beiden Bietern stehen finanzkräftige Staaten, die den Häfen von P&O große strategische Bedeutung beimessen.

Eine Entscheidung könnte die vom 20. Januar auf den 13. Februar verschobene P&O-Hauptversammlung bringen. Das Unternehmen teilte gestern am späten Abend mit, dass das Board das Aktionärstreffen nicht noch einmal verschieben wolle – es sei denn, es käme ein weiteres Übernahmeangebot von mehr als 546 Pence je Aktie.

In dem Übernahmekampf geht es um die Vormachtstellung im boomenden globalen Containerverkehr, der in den vergangenen Jahren stark vom wachsenden Welthandel profitiert hat und auch für die kommenden Jahre starke Wachstumsraten verspricht. PSA würde mit P&O am bisher größten Hafenbetreiber Hutchison vorbeiziehen. DP World wiederum würde sich als ernsthafter Herausforderer beider Unternehmen positionieren.

Die Aktionäre haben bisher nach jedem neuen Gebot auf eine noch höhere Offerte spekuliert. Nach dem Angebot von PSA war gestern der Kurs der P&O-Aktie bereits um drei Prozent auf über 516 Pence gestiegen. Die ungewöhnlich hohe Bewertung des Übernahmeobjekts macht deutlich, dass in dieser Auseinandersetzung strategische Motive die üblichen Bewertungskriterien überlagern. Schon das PSA-Angebot bewertete P&O laut Reuters mit dem 30-fachen des für 2006 erwarteten Gewinns.

PSA und DP World waren 2004 schon einmal in einen Bieterkampf verwickelt. Damals stachen die Dubaier die Singapurer beim Kauf von Häfen des US-Konzerns CSX aus, als sie bereit waren, 1,15 Mrd. Dollar zu zahlen.

Negative Folgen für die Bonität hat PSA nicht zu erwarten. Die Rating-Agentur Moody’s bekräftigte gestern ihre Bewertung mit der Bestnote AAA; Standard & Poor’s stellte die AAA-Bewertung immerhin unter Beobachtung. Das Singapurer Unternehmen, eine Tochter der Staatsholding Temasek, wird bei der Übernahme von Goldman Sachs und UBS beraten, die auch die Finanzierung garantieren. DP World steht die Deutsche Bank zur Seite, die mit Barclays zusammen die Finanzierung stellt. P&O hat sich die Dienste der Citigroup gesichert.

Die 1837 als Liniendienst von England zur iberischen Halbinsel gegründete Peninsular & Oriental Steam Navigation Company, so der volle Name von P&O, ist ein Erbe des britischen Empire. P&O betreibt heute 29 Container-Terminals in 19 Ländern und setzt rund drei Mrd. Pfund im Jahr um.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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