Puma-Hauptversammlung
Fränkischer Stolz vs. französischer Mammon

Auf der Hauptversammlung von Puma gibt es nur ein Gesprächsthema: die Übernahmeofferte des französischen Luxuskonzerns PPR. Die Aktionäre des Sportartiklers schwanken zwischen Frust und Freude über das Milliardenangebot aus dem Nachbarland – und wollen letztlich doch alle nur das eine.

fas/HB NÜRNBERG. Die Siegfried-Straße in Nürnberg ist kein Prachtboulevard. In einer endlosen Schlange quälen sich die Lkw durch das Industriegebiet im Süden der Stadt. Glamour sieht anders aus. Silikonfugenmaterial kann man hier kaufen, auch billige Autowäschen werden hier feilgeboten. Ein Schild an der Hauptstraße weist auf den Hinterhof der Hausnummer 220. Willkommen im Puma Brand Center.

Früher hießen solche Orte Fabrikverkauf. Heute treffen sich hier die Aktionäre von Deutschlands teuerster Modemarke. Ein Aufstieg: Vor zwei Jahren fand die Hauptversammlung noch im Schützenheim Herzogenaurach statt.

Während vor der Tür die Globalisierungsgegner ihren obligatorischen Proteststand aufbauen, sammeln sich am Mittwochmorgen die Aktionäre auf der Teerwüste des Parkplatzes. Das Brand Center hält sich an die Ladenöffnungszeiten: Einlass nicht vor 10 Uhr. Beginn der Hauptversammlung eine Stunde später.

Es ist Showtime bei Puma. Seit Anfang dieser Woche ein Übernahmeangebot für den Konzern auf den Tisch liegt, ist das Unternehmen elektrisiert. 5 Mrd. Euro will PPR für den einstiegen Pleitekandidaten Puma bieten. Das lässt keinen Aktionär kalt. Und während Puma-Chef Jochen Zeitz im Foyer betont lässig in die Kameras lächelt, diskutieren die Kleinaktionäre bei Streuselkuchen und Filterkaffee.

„Ich verkaufe noch nicht“, sagt Siegfried Heger, Aktionär der ersten Stunde. „330 Euro ist viel Geld, aber vielleicht gibt es ja noch mehr? Aber es geht mir nicht nur ums Geld“, sagt der Rentner mit ernster Miene. „Es geht auch um fränkischen Stolz.“ Der Franke besteht darauf, dass der Name Puma erhalten bleibt.

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