Puppenproduzent
MGA hat Zapf fest im Griff

Der Einfluss des Spielwarenherstellers MGA auf den angeschlagenen deutschen Puppenproduzenten Zapf Creation steigt weiter. Wenn die Hauptversammlung an diesem Dienstag eine erneute Kapitalerhöhung genehmigt, werden die Amerikaner ihren Anteil von 30 auf rund 33 Prozent steigern. In Einkauf und Vertrieb arbeiten Zapf und MGA schon heute eng zusammen.

MÜNCHEN. Das kalifornische Familienunternehmen MGA ist im Sommer 2006 beim schwer angeschlagenen Puppenanbieter Zapf eingestiegen. Damals sicherte sich die Spielzeugfirma des Unternehmers Isaac Larian knapp ein Viertel der Aktien. Durch eine Kapitalerhöhung vor wenigen Wochen kletterte Larians Anteil auf 30 Prozent. Weil Zapf noch mehr frisches Geld braucht, wird der Anteil bis Ende November auf ein Drittel steigen.

Die Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts der Kleinaktionäre ist Teil eines umfassenden Finanzierungspakets, um das verlustreiche Unternehmen zu retten. Denn die Banken hatten weiteres Eigenkapital gefordert, ehe sie neue Kredite geben wollten. Jetzt steht Zapf aber auf einem soliden Fundament, sagte Finanzvorstand Jens Keil im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Für die nächsten fünf Jahre ist die Finanzierung aus heutiger Sicht gesichert.“

MGA ist nicht nur Großaktionär, sondern auch der wichtigste Kooperationspartner von Zapf. Beide Unternehmen haben sich in fünf Verträgen auf eine weitreichende Zusammenarbeit geeinigt. Dabei hat Zapf seinen gesamten Einkauf in Fernost an die Kalifornier abgetreten. Dadurch sparen sich die Deutschen nicht nur ein Büro mit 90 Leuten in Hong-Kong. Sie bekommen durch das größere Einkaufsvolumen auch günstigere Konditionen. Zum Spielwarenanbieter MGA gehören international bekannte Marken wie die „Bratz“-Puppen oder „Little Tikes“.

Dazu kommt: MGA vertreibt jetzt sämtliche Zapf-Puppen in Amerika. In den USA sind die Deutschen selbst vor einigen Jahren gescheitert und haben Millionen verloren. Im Gegenzug übernimmt Zapf den Vertrieb in wichtigen Märkten Europas und kann sich dadurch ein größeres Verkaufsteam leisten. Darüber hinaus hat Zapf sein bis jetzt ausgesprochen kleines Lizenzgeschäft an MGA abgetreten. „Dies ist ein Bereich, in dem MGA sehr viel Erfahrung hat. Davon werden wir profitieren“, sagte Zapf-Marketingvorstand Thomas Pfau.

Die Puppenwelten aus Rödental wurden in den vergangenen zwei Jahren von schweren Erdbeben durchgeschüttelt. Mehrmals wurde der Vorstand ausgetauscht, der Umsatz brach ein und es liefen hohe Verluste auf. In diesem Sommer stritten Management, Großaktionäre und Banken monatelang um die Finanzierung des Unternehmens. Für den Aktienkurs war das pures Gift: Alleine in diesem Jahr ist das Papier um mehr als die Hälfte eingebrochen. Derzeit notiert die Aktie bei rund 3,60 Euro.

Mit dem frischem Geld, den positiven Effekten der Zusammenarbeit mit MGA und vielen neuen Produkten will der Vorstand den Puppenwagen jetzt aus dem Dreck ziehen. „Ich gehe davon aus, dass wir uns in den kommenden Jahren als unabhängiges Unternehmen gut weiterentwickeln können“, sagte Finanzchef Keil.

Der erste wichtige Test beginnt in diesen Tagen mit dem Weihnachtsgeschäft: Es ist die Zeit, in der die Käufer die Läden stürmen. Wenn die Puppen und die Accessoires jetzt bei den Kunden durchfallen, dann ist das Jahr nicht mehr zu retten. Insider in der Spielwarenbranche zeigen sich aber noch skeptisch, ob Zapf die Krise wirklich schon überwunden hat und die richtigen Konzepte in den Regalen präsentiert. Händler geben sich derzeit sehr zurückhaltend, wenn sie auf den Erfolg von Zapf angesprochen werden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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