Putin-Vertraute kontrollieren fast zwei Fünftel des russischen Bruttoinlandsprodukts
Die Kreml AG legt ein Erfolgsjahr hin

Für die „Kreml AG“ ist 2004 ein gutes Jahr gewesen: Die neun vom Staat beherrschten russischen Konzerne, die der Volksmund unter diesem Namen zusammenfasst, konnten ihre Gewinne im Durchschnitt um 54 Prozent auf neue Rekordwerte steigern (siehe Tabelle auf Seite zwei).

MOSKAU. Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin kontrollieren Aktiva in der Größenordnung von 37 Prozent des gesamten russischen Bruttoinlandsprodukts. Analysten kritisieren seit längerem die zunehmende staatliche Kontrolle über die russische Wirtschaft. Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht in Russland inzwischen „eine deutliche Schwächung der Marktwirtschaft und ein Zurück zu mehr Intransparenz und Politisierung der Unternehmen“.

Es sind zumeist Putins engste Mitarbeiter im Kreml, die die Konzerne faktisch leiten. Der Chef der Präsidialadministration Dmitrij Medwedjew etwa führt den Aufsichtsrat beim Gaskonzern Gazprom, seine Stellvertreter Igor Setschin und Wladislaw Surkow herrschen über die Ölfirmen Rosneft und Transnefteprodukt, Präsidentenberater Wiktor Iwanow überwacht gleich zwei Konzerne: die Fluggesellschaft Aeroflot und den Rüstungskonzern Almaz-Antej. „Zwar sitzen sie meist nur als Aufsichtsratschefs in den Konzernen. Doch in Russland bedeutet das reale Kontrolle über die Finanzströme“, erläutert ein Moskauer Analyst.

Man müsse hier ein Unternehmen nicht besitzen, sondern als Manager den Cash Flow kontrollieren, um der wahre Profiteur zu sein. Dabei gehe es Putins Männern nicht in erster Linie darum, den Einfluss des Staates zu sichern, sagt die Politologin Lilija Schewzowa. Vielmehr wollten sie „ihre erworbenen wirtschaftlichen Ressourcen über die kommenden Wahlen hinaus“ sichern – ihr persönliches Wohl steht im Vordergrund.

Die Einmischung aus dem Kreml tut den Firmen nicht gut. Rosneft und Gazprom etwa arbeiten deutlich ineffizienter als die private Konkurrenz. Denn nach Aussagen von Analysten zweigen die Staatsfirmen viel Geld für Kreml-Kampagnen, Wahlkämpfe und private Wünsche von Unternehmens- und Staatsführung ab.

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