Qantos

Ein Plastik-Spoiler für den ICE

„Wenn ich mit der Bahn fahre, entdecke ich fast immer was von uns“, sagt Qantos-Chef Josef Wolf. Doch der Plastikhersteller hat ein Problem: Ihm gehen die Nachwuchskräfte aus.
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Die Dachverkleidung des Siemens Velaros ist aus bayerischem Kunststoff Quelle: DB

Die Dachverkleidung des Siemens Velaros ist aus bayerischem Kunststoff

(Foto: DB)

Weiden i.d. OberpfalzDie blau-weiße Bayernflagge weht vor dem Produktionsstandort in einem Gewerbegebiet in der Oberpfalz, nicht weit von der tschechischen Grenze. Und auch in den Hallen von Quantos wird deutlich, in welchem Bundesland das Unternehmen sitzt.

Über einem Produktionstisch ragt eine meterhohe FC-Bayern-Fahne. Wer hier nicht bayerisch redet, fällt auf. Doch was die Mitarbeiter herstellen, ist alles andere als lokal. Das Unternehmen fertigt Kunststoff-Komponenten für Züge auf der ganzen Welt. 

„Wenn ich mit der Bahn fahre, entdecke ich fast immer was von uns“, sagt Geschäftsführer Josef Wolf. In der weitläufigen Halle wird sofort klar, was er meint. Auf den Paletten stehen Produkte, die Bahnreisenden bestens bekannt sind: Haltegriffe, Lüftungsgitter, Seitenspiegel, Treppenaufgänge und sogar komplette Zug-Fronten. Es wirkt wie in einem großen Modellkasten mit dem Motto „Bau dir einen Zug“. 



Viele Bestandteile in Zügen sind heute aus Kunststoff. Dabei handelt es sich nicht um profanes Plastik, sondern um sogenannte GFK-Teile – eine Mischung aus Glas- und Harzstoffen. Das Material ist deutlich leichter und günstiger als Metall. Sobald die Teile lackiert sind, sieht man keinen Unterschied. Umso verwirrender ist es, wenn man die Teile hochhebt: Ein scheinbar massives Lüftungsgitter geht mit einer Hand von der Palette.

Welche Länder in die Schiene investieren
huGO-BildID: 10110060 A high-speed AVE train, on its first journey between Madrid and Barcelona, arrives in Barcelona, Spain, Wednesday, Feb. 20, 200
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Platz 10 - Spanien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 27 Euro

Im Krisenland Spanien leidet auch die Infrastruktur unter der anhaltenden Wirtschaftskrise. Die Investitionen ins Schienennetz fallen 2013 deutlich geringer aus als bei den europäischen Nachbarn.

Quelle: Allianz pro Schiene / Unternehmensberatung SCI Verkehr

French SNCF unionists and striking railway workers gather during a strike against a planned reform of the sector at Marseille rail station
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Platz 9 - Frankreich - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 47 Euro

Streiks legten zuletzt weite Teile des Schienenverkehrs in Frankreich lahm. Das Netz für TGV und Co. wurde zuletzt nicht sonderlich gut gepflegt. Im Vergleich landen die Franzosen auf den hinteren Plätzen.

Präsentation ICE 3
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Platz 8 - Deutschland - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 54 Euro

Deutschland investiert seit Jahren deutlich mehr Geld in den Straßenbau als in die Schieneninfrastruktur. So droht die Bundesrepublik mit 54 Euro pro Bürger den Anschluss an wirtschaftlich potente Länder in Europa zu verlieren.

italien
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Platz 7 - Italien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 81 Euro

Auch in Italien schlägt die Wirtschaftskrise spürbar auf die staatlichen Schieneninvestitionen durch. Umso überraschender ist es, dass Italien mehr Geld in sein Netz investiert als Deutschland.

Neuer Eurostar-Bahnhof in London in Betrieb genommen
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Platz 5 - Großbritannien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 120 Euro

Das Netz der verschiedenen privaten englischen Eisenbahngesellschaften, auf denen täglich 18.000 Personenzüge und 1000 Güterzüge verkehren, ist rund 16.880 Kilometer lang. Die Netzausbau kann sich sehen lassen: England brachte 120 Euro pro Bürger auf.

holland
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Platz 4 - Niederlande - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 139 Euro

Auch in den Niederlanden boomt der Netzausbau: Das deutsche Nachbarland brachte 139 Euro pro Bürger auf. Das Streckennetz wird hier von Pro-Rail betrieben, größtes holländisches Bahnunternehmen ist Nederlandse Spoorwegen N.V.

schweden
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Platz 3 - Schweden - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 160 Euro

Schweden brachte im vergangenen Jahr 160 Euro pro Bürger auf. Das schwedische Schienennetz umfasst rund 11.481 Kilometer. Auf den wichtigsten Strecken sprintet der Schnellzug X2000.

Doch die Komponenten aus GFK sind durch die Verbundstoffe sehr robust. Es gibt bereits Nahverkehrszüge, bei denen die Außenwände aus Plastik sind, wie früher beim Trabi. Zum Beispiel fahren in Paris einige Fahrzeuge mit den Verkleidungen aus der Oberpfalz.

Bei Schnellzügen wird Kunststoff vor allem im Innenbereich oder für spezielle Abdeckungen eingesetzt. So auch beim ICE: Die Bahn wollte ihre Stromsysteme auf dem Dach verkleiden und Qantos fertigte die entsprechende GFK-Konstruktion. Das Plastik soll unter anderem den Luftwiderstand verringern und so den Zug schneller machen - sozusagen ein Spoiler für den ICE.

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern
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