Quartalsbericht
Experten: Gazprom hat gewaltiges Potenzial

Der russische Staatskonzern Gazprom hat die Erwartungen der Analysten übertroffen und sein Nettoergebnis im ersten Quartal um 14 Prozent auf 5,97 Mrd. Euro gesteigert. Branchenbeobachter hatten im Durchschnitt nur ein Plus von 4,3 Prozent vorhergesagt. Jedoch sind die Zahlen irreführend – große Teile des Gewinnes sind auf Einmaleffekte zurückzuführen.

DÜSSELDORF. Nach dem Quartalsbericht sind große Teile des zusätzlichen Profits auf Einmaleffekte zurückzuführen. So verkaufte Gazprom Finanzanlagen und entkonsolidierte einen Pensionsfonds. Das reine Betriebsergebnis fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,8 Prozent von 6,54 Mrd. Euro auf 5,96 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg um 4,4 Prozent auf 17,37 Mrd. Euro.

Gazprom leidet wie die gesamte Öl- und Gasindustrie darunter, dass die Kosten schneller steigen als die Umsätze. Die Zulieferindustrie ist komplett ausgelastet und kann die Preise für Rohre und Maschinen praktisch diktieren. Gazproms Konkurrenten wie ExxonMobil und Shell profitieren hier von langjährigen Geschäftsbeziehungen und günstigeren Standorten. „Die Förderung im Golf von Mexiko ist sehr, sehr profitabel“, sagt Analyst Andy Sommer von der HSH Nordbank. „Nach dem Hurrikan Katrina haben die großen Förderer den Markt leergekauft.“

Ungünstig für Gazprom war auch der milde Winter. Dies habe die Nachfrage nach Gas fallen lassen, erklärte der Konzern. Nach Angaben von russischen Metereologen war der zurückliegende Winter der Wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1879. Außerdem rechnet Gazprom seine Exporte in Dollar ab und der Preisverfall der Leitwährung schmälerte den Gewinn.

Obwohl Gazprom mit westlichen Konzernen wie BP und Shell konkurriert, muss es große Teile seines Umsatzes unter erschwerten Bedingungen erwirtschaften. Innerhalb Russland verkauft der Konzern nach eigenen Angaben sein Gas ohne Gewinn. Dies sei vom Mehrheitsaktionär, dem russischen Staat, so festgelegt. Auch die ehemaligen Schwesterrepubliken aus der Sowjetzeit erhielten das Gas im ersten Quartal 2007 im Durchschnitt zum Vorzugspreis von 112 Dollar pro 1 000 Kubikmeter, während Westeuropa 270 Dollar pro 1 000 Kubikmeter zahlte.

„Das ist natürlich eine ganz andere Buchführung als im Westen“, sagt Alexander Rahr, Russlandexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Der staatliche Einfluss bei Gazprom sei enorm hoch, und das Handeln des Konzerns stark von Politik geprägt.

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