Quartalsbilanz
GM geht geschwächt in Gespräche

Nach einem positiven Jahresbeginn ist der US-Autohersteller General Motors (GM) im zweiten Quartal wieder in die Verlustzone gerutscht. Damit verschlechtert sich die Verhandlungsposition des Konzerns bei den Allianzgesprächen mit Renault und Nissan. GM-Chef Rick Wagoner sucht nun sein Heil in der Offensive.

hz / Bloomberg LONDON / FRANKFURT. Der US-Autokonzern General Motors (GM) ist ausgerechnet zu Beginn der Allianzgespräche mit Renault und Nissan wieder in die roten Zahlen gerutscht. Der Autobauer werde wegen des geplanten Abbaus von 35 000 Stellen in Nordamerika eine Belastung von 3,84 Mrd. Dollar nach Steuern im zweiten Quartal verbuchen, kündigte GM-Boss Rick Wagoner auf einer Automesse in London an.

Dies werde den Konzern wieder in die Verlustzone treiben, nachdem GM im ersten Quartal mit 445 Mill. Dollar in die Gewinnzone zurückgekehrt war. Die Zahlen für das zweite Quartal, die der Konzern Mittwoch kommender Woche veröffentlichen wird, schwächen damit Wagoners Position in den Allianzgesprächen.

Wagoner unterstrich jedoch, dass bereinigt um Sondereffekte die Sanierung des US-Autobauers vorankäme. „Wir müssen hinter die Zahlen und auf die Entwicklung des operativen Geschäfts schauen“, forderte der GM-Boss. Ohne Sonderbelastungen sei das wichtige Geschäft in den USA auf „dem richtigen Weg“ und das Europageschäft zeige rasche Besserung. GM sei weiterhin darauf „fokussiert“, 2006 erstmals seit Jahren wieder ein positives Ergebnis in Europa einzufahren.

Trotz der roten Zahlen ging Wagoner bei der sich anbahnenden Allianz mit Renault und Nissan in die Offensive. Neben einer Zusammenarbeit mit dem französisch-japanischen Konzernverbund könnten auch andere Allianzen angedacht werden, sagte Wagoner. Er betonte, dass GM sich nur für ein Bündnis mit Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn entscheiden werde, wenn dadurch Wert geschaffen werde und dies im Interesse der Aktionäre sei.

Der GM-Boss gab nach Ansicht von Experten damit seine bisher defensive Haltung gegenüber einem globalen Bündnis auf und signalisierte zu Beginn der Allianzgespräche, dass das US-Management Herr des Verfahrens sei. Branchenkenner hielten die Ankündigung vor allem für Verhandlungstaktik, mit der sich GM für die Gespräche in Position bringe. Mit seinen Aussagen signalisiere Wagoner Ghosn, dass es für GM auch Alternativen zu einer engen Zusammenarbeit mit Renault und Nissan gebe. Ford-Chef Bill Ford hatte einen Tag zuvor ebenfalls internationale Partnerschaften für seinen Konzern nicht ausgeschlossen.

Wagoner und Ghosn hatten sich am vergangenen Freitag auf eine auf 90 Tage angesetzte Prüfung der Dreier-Allianz geeinigt. Renault und Nissan haben seit 1999 eine erfolgreiche Allianz und wollen GM auf Drängen des GM-Großaktionärs Kirk Kerkorian darin einbinden. Ein Dreier-Verbund der Hersteller könnte nach den Vorstellungen von Ghosn bei der Autoentwicklung, beim Einkauf, in der Produktion und bei der Auslastung frei werdender GM-Werke und -Kapazitäten durch Nissan in Nordamerika möglicherweise Milliardeneinsparungen bringen. Die drei Autohersteller bringen es gemeinsam auf einen weltweiten Absatz von mehr als 15 Mill. Autos und einen Marktanteil von knapp 25 Prozent sowie auf einen Umsatz von rund 327 Mrd. Dollar.

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