Quartalsbilanz

Volkswagen will zurück in die Normalität

Der Machtkampf an der Konzernspitze hat Volkswagen wochenlang im Bann gehalten. Die Zahlen für das erste Quartal, die der Autobauer am Mittwoch präsentiert, sollen den Blick wieder auf Sachthemen lenken.
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Bei VW richtet sich der Blick wieder auf das operative Geschäft. Quelle: ap
Passat-Fertigung im Werk Chattanooga

Bei VW richtet sich der Blick wieder auf das operative Geschäft.

(Foto: ap)

FrankfurtEs ist der erste Schritt zurück in Richtung Normalität. Wenn der Volkswagen-Konzern am Mittwoch seine Zahlen für das erste Quartal präsentiert, dann rückt der leidige Konflikt zwischen dem mittlerweile ehemaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn in zumindest teilweise den Hintergrund. Viele Analysten können sich zwar auch am Tag drei nach dem überraschenden Rücktritt des Ehepaares Piëch noch nicht ganz vom Top-Thema der vergangenen beiden Wochen lösen. Wobei auf allen Seiten Einigkeit herrscht, dass der alles überlagernde Konflikt endlich vorbei ist.

„Das ist positiv für VW und für Porsche“, wertet Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz das überraschende Ende. Hat sich die VW-Aktie doch seit Beginn der Personalkrise um vier Prozentpunkte schlechter entwickelt als die Vergleichswerte im Autosektor. Damit ist es jetzt erst mal vorbei. Am Montag legte die VW-Aktie um fast fünf Prozent zu, am Dienstag verlor sie zumindest weniger als der Durchschnitt im Dax.

Für die Quartalzahlen am Mittwoch bedeutet das zumindest keine böse Überraschung. „Starke Verkaufszahlen aus Europa unterstützen den Aufwärtstrend“, glaubt Marc-Rene Tonn von Warburg Research aus Hamburg. Zumal die Verkaufszahlen für das erste Quartal schon seit gut zwei Wochen bekannt sind.

Ausgerechnet Europa: Hier spürte der Konzern bis zum vergangenen Jahr noch die Konsequenzen aus dem Krisenjahr 2009. Einige Lichtblicke wie die schon länger guten Verkäufe in Großbritannien und Spanien konnten das magere Geschäft in Italien und Frankreich nicht verdecken. Jetzt zeichnet sich der Aufwärtstrend in ganz Westeuropa ab. 5,5 Prozent mehr VWs wurden in den ersten drei Monaten verkauft. Sogar mehr als acht Prozent waren es in Deutschland, wo man ebenfalls lange auf der Stelle trat. Das hilft, den rapiden Einbruch in einigen Hoffnungsmärkten zumindest in Teilen zu kompensieren. In Brasilien ging es in den ersten drei Monaten um 18 Prozent bergab, in Russland gar um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,057 Milliarden Euro rechnen beispielsweise die Analysten der Citi im Konzern. Das wäre ein Fortschritt gegenüber dem Vorjahresquartal, wenn auch kein besonders großer. Dennoch werten sie ein solches Ergebnis, sollte es denn so kommen, als Erfolg. Gerade weil die neue Normalität, die die politische Führung in China ausgerufen hat, auch der Volkswagen-Konzern zu spüren bekommt.

Die Zeiten zweistelliger Wachstumszahlen, wie sie früher auf dem wichtigsten Markt des Konzerns gang und gäbe waren, wohl in Zukunft kaum noch zu erreichen sein werden. Das zeigt auch hier die wichtige Kernmarke VW. Deren Verkaufszahlen in China sanken im ersten Quartal. Zwar nur um 0,6 Prozent, aber immerhin. Die Hoffnung der Experten ist jedoch, dass das zweite Quartal in der Regel besser läuft als der Jahresstart.

Sorgen um die Aktie macht sich indes kaum ein Experte. Auch rät allen Wirrungen der vergangenen beiden Wochen zum Trotz kaum einer zum Ausstieg. So war es übrigens auch, als die Aktie im Herbst vergangenen Jahres zu einem fulminanten Kurssprung ansetzte. Nach einem Durchhänger bis auf 150 Euro ging es im folgenden halben Jahr bis auf über 260 Euro. Am Dienstag waren es rund 245 Euro. Mit seinem Kursziel von 278 Euro gehört Daniel Schwarz von der Commerzbank noch zu den Zurückhaltenden. Einen Kurs von 305 Euro hält gar Michael Punzet von der genossenschaftlichen DZ Bank für möglich.

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

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