Quartalsergebnis

Europas Flaute erwischt Volkswagen

Die Absatzkrise in Europa erreicht auch den Autobauer Volkswagen. Der Betriebsgewinn sinkt im Herbstquartal deutlich, der Umsatz legt hingegen zu. Die Erlösung suchen die Wolfsburger in den Schwellenländern.
Update: 24.10.2012 - 12:39 Uhr 8 Kommentare
Flaute am Band: Im Herbst erleidet Volkswagen einen Gewinneinbruch. Quelle: dpa

Flaute am Band: Im Herbst erleidet Volkswagen einen Gewinneinbruch.

(Foto: dpa)

Wolfsburg Die Absatzkrise in Westeuropa und hohe Investitionen in neue Technik und Modelle haben den Betriebsgewinn von Volkswagen im Herbstquartal stark schrumpfen lassen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Zeitraum Juli bis September binnen Jahresfrist um 19 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro, wie Europas Marktführer am Mittwoch mitteilte. In etwa soviel hatten auch von Reuters befragte Analysten im Schnitt erwartet. Das operative Ergebnis für die ersten neun Monate liegt mit 8,8 Milliarden Euro etwas niedriger - im Vergleichszeitraum 2011 waren es 9 Milliarden.

Die Gruppe liegt mit ihren zwölf Marken bei Absatz und Umsatz aber weltweit weiter auf Rekordkurs. Den Konzernumsatz steigerte Volkswagen im dritten Quartal um 27 Prozent auf rund 49 Milliarden Euro. Rund um den Globus lieferte die Gruppe 2,3 Millionen Fahrzeuge aus, 13 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

An der Prognose, wonach Umsatz und Absatz im laufenden Jahr zulegen sollen, hielt das VW-Management fest. Der Betriebsgewinn soll wie im Vorjahr 11,3 Milliarden Euro erreichen. Die positive Entwicklung des Konzerns halte in dem herausfordernden Umfeld an. Positive Impulse erwartet VW von seiner breiten Palette an Automodellen. Die Auslieferungen an die Kunden würden 2012 im Vergleich zum Vorjahr sogar steigen.

An der Börse kam die Zwischenbilanz gut an: die VW-Aktie legte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen mehr als drei Prozent zu und war zweitgrößter Gewinner im Leitindex Dax. In der Krise der Automobilindustrie halte VW sich noch gut, sagte ein Börsianer. Auch die Prognosebestätigung helfe den Aktien auf die Sprünge.

Die Wolfsburger profitieren davon, dass ihre Fahrzeuge vor allem in Nordamerika, Osteuropa, Asien und Deutschland gefragt sind. In China, dem größten Markt des Konzerns, ebbte der Pkw-Boom zuletzt zwar ab, dennoch wuchs Volkswagen dort seit Jahresbeginn um 18,5 Prozent. Der auf VW entfallende Anteil am Betriebsgewinn der beiden Gemeinschaftsunternehmen in der Volksrepublik schwoll um mehr als die Hälfte auf 2,8 Milliarden Euro an. Dank seiner Stärke in Übersee kann der Konzern den Rückgang in Europa abfedern.

Das Umfeld für die Autobranche ist auf dem europäischen Markt derzeit aber wenig verheißungsvoll. Im September wurden in der EU laut Branchenverband ACEA nur noch 1,1 Millionen Neuwagen zugelassen. Das sind rund elf Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Davon blieb auch der Volkswagen-Konzern nicht verschont.

Immerhin: Der Absatz der VW-Gruppe verringerte sich der europäischen Zulassungsstatistik zufolge im September in der EU binnen Jahresfrist mit acht Prozent weniger stark als bei vielen direkten Konkurrenten. Günstige Finanzierungen, mit denen die Autobauer auf die Krise in Europa reagieren, kann sich VW dank seiner starken Finanzsparte leichter leisten als Verluste schreibende Rivalen wie Peugeot, dessen Finanzarm auf Staatshilfe angewiesen ist.


Wachstum in den Schwellenländern erhofft
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8 Kommentare zu "Quartalsergebnis: Europas Flaute erwischt Volkswagen"

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  • Wenn ich Piech wäre, dann würde ich den einfallslosen "Golf Eins bis Zehn"-Konstrukteuren einmal die Aufgabe stellen, ein zukunftsweisendes Auto zu konstruieren.
    Wie wärs denn z.B. mit einem Mehrfach-Hybrid: Gas-Diesel-Elektro?
    Aber nein, nächstes Jahr sehen wir wieder einen langweiligen Golf Nr.8 oder ein Piech-Monstrum mit 1000 PS.

  • Nur noch Zahlen..... Die Menschen, die solche Konzerne wachsen lassen, werden mit Abmahnanwälten angegangen.... Weil sie sich mit der Marke ihrer Fahrzeuge identifizieren und das auch gerne zeigen.... Traurigtraurig......

  • Europas Flaute erwischt Volkswagen .... tja, wenn VW dann noch seine treuesten Kunden und Fans vergrault, wie in den letztzen tagen erstmals größer ans Tageslicht gekommen, muss das wohl so sein!
    Informiert euch in den Nutzereinträgen bei http://www.facebook.com/VolkswagenDE und beim letzten Opfer http://www.doppel-wobber.de/forum/volkswagen-gegen-doppel-wobber.html

  • Absatzkrise hin oder her, trotzdem sehen die Bilanzen der deutschen Autobauer und deren Lieferanten gut aus. Schaeffler Quartalszahlen beweisen, dass es in der Branche besser geht als wie berichtet wird.

  • VW fährt seit Jahren mit einer Rendite von lediglich 2%.
    Bei VW stehen 5 Millionen Leasing Rückläufer auf Halde.
    Dazu der Grössenwahn Stückzahl vor Qualität ... es wird enden wie bei GM!
    Verkauft schnellstens eure VW Aktien.

  • Die Überschrift kann man deuten wie man will. Andere Blätter schreiben "VW trotzt der Krise". Im Inhalt sind aber alle Blätter gleich! Das einzig Verläßliche ist, dass die nächste Kurzabeitswelle kommt und der Steuerzahler trotz Milliardengewinne bei VW die Zeche zahlt.

  • Wieso denn das jetzt, so von heute auf morgen?
    Noch gestern hiess es hier an gleicher Stelle, die deutsche Wirtschaft brummt noch immer!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Mal wieder typisch Handelsblatt: Hauptsache eine reisserische Überschrift, die der Text darunter gar nicht hergibt. Hauptsache es werden viele Klicks gesammelt und der Informationsgehalt bleibt auf der Strecke. Darüberhinaus ist der Artikel völlig falsch.

    Mal zur Klarstellung:
    - Umsatz steigt um 26,8% auf 48,8 Mrd (nicht knapp 47)
    - Das operative Ergebnis schrumpft um 19% (nicht das EBIT!)
    - EBIT steigt um 58,5% (bricht nicht ein)
    - Nachsteuerergebnis steigt um 58,5% auf 11,3 Mrd

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