Quartalsergebnis: Siemens-Gewinn schrumpft

Quartalsergebnis
Siemens-Gewinn schrumpft

Vor dem Auftakt der heutigen Hauptversammlung meldet der Siemens-Konzern einen geschrumpften Auftragseingang. Unzufriedene Aktionäre wird Konzernchef Peter Löscher damit wohl nur kaum glücklich machen können.
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MünchenDer Münchener Mischkonzern Siemens hat in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 einen deutlichen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen müssen. Das Auftragsvolumen schrumpfte um fünf Prozent, auch der Umsatz der fortgeführten Geschäfte ging um ein Prozent zurück auf 18,1 Milliarden Euro. Das Gewinn nach Steuern sank gar um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Angesichts der durchwachsenen Zahlen präsentierten sich Vorstandschef Peter Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser auf der Pressekonferenz ernst und wenig euphorisch. Löscher sprach von einem „soliden Quartal“. „Auch für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir von der Weltwirtschaft keinen Rückenwind, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher. „Unsere volle Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umsetzung unseres Programms Siemens 2014.“

Mit seinen Zahlen übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten leicht. An der Jahresprognose von einem Gewinn aus fortgeführtem Geschäft zwischen 4,5 bis fünf Milliarden Euro hielten die Münchner fest. Die von Investoren gefürchteten Sonderlasten summierten sich im abgelaufenen Vierteljahr auf 212 Millionen Euro, rund die Hälfte muss Siemens wegen seiner Lieferverzögerungen der ICE-Züge für die Deutsche Bahn schultern. Zudem fielen im Solargeschäft, aus dem Siemens aussteigen will, noch einmal 150 Millionen Euro an. „Wir können nicht ausschließen, dass es zu weiteren Belastungen kommt“, sagte Kaeser.

Die Kosten des laufenden Sparprogramms beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro. Das dicke Ende kommt somit erst noch. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Belastungen von einer Milliarde Euro durch die Einschnitte, die die Siemens-Kosten mittelfristig um sechs Milliarden Euro jährlich drücken sollen.

Ein Lichtblick bot der Telefonnetz-Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN), der nach einer langen Strecke mit roten Zahlen 50 Millionen Euro Gewinn beisteuerte. Osram machte sogar 80 Millionen Euro Gewinn. Die Hauptversammlung sollte am Nachmittag über die Abspaltung der Lichtsparte und die Ausgabe von gut 80 Prozent der Osram-Aktien an die Siemens-Aktionäre abstimmen.

Löscher und Kaeser mussten sich viele kritische Fragen anhören. Ob die Probleme bei der Anbindung von Offshore-Windparks und beim ICE Löscher nicht peinlich seien? Löscher verwies auf 1500 Großprojekte, die man stemme. Bei der Anbindung der Windparks betrete man Technologisches und regulatorisches Neuland. Allerdings, räumte er ein, hätte Siemens besser erstmal nur mit einem Auftrag Erfahrungen sammeln sollen - statt gleich vier Order in die Bücher zu nehmen. Leidenschaftlich wurde er beim Thema ICE. Der laufe erfolgreich von China bis Russland. „Das Zuggeschäft – das kann Siemens!“

Infografik

Umsatz Siemens

in den Jahren 2003 bis 2012 (in Mrd. Euro)


Auch die Spekulationen über die Uneinigkeit im Vorstand und die öffentliche Kritik an Löscher waren ein Thema. „Das Führungsteam ist geschlossen und arbeitet am Erfolg des Unternehmens“, sagte Löscher dazu. Er selbst sei „ruhig und gelassen“ und wolle in den nächsten Jahren mit dem Team in Ruhe weiterarbeiten.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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  • Peter Löscher ist zu weiß!

  • Nur Personal entlassen ist zu wenig. Wieder versagt ein Manager wegen Unfähigkeit! Warum beseitigt bzw. weigert er sich die Probleme mit den ICE bzw. BER. zu lösen. Ich bin der beste Manager aller Zeiten. Ich kann auch Leute entlassen ohne die Problemen zu lösen. Dafür bin ich gerne überbezahlt und nehme mir Boni in unerträglicher Höhe!

  • Wie macht man unzufriedene Aktionäre glücklich? Antwort: einfach Mitarbeiter rausschmeißen! Alte und gut erprobte Methode, also Herr Löscher ran ans Werk. Es gibt viel zu tun, machen Sie ihre Aktionäre glücklich und schreiben Sie (sagen wir) 30000 Entlassungschreiben! Der Aktienkurs wird regelrecht explodieren und alle Aktionäre tragen Sie auf Händen. Und keine Gewissensbisse wegen der entlassenen Mitarbeiter, sind doch nur Kostenstellen.

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