Quartalszahlen Bayer enttäuscht die Investoren

Bayer wird auch im dritten Quartal seine Schwächen nicht los. Der Gewinn mit rezeptfreien Arzneien sinkt deutlich, auch im Agrarsegment verdient der Konzern weniger. Trotzdem sieht sich das Unternehmen auf Kurs.
Update: 26.10.2017 - 10:52 Uhr Kommentieren

„Wir haben strategisch deutliche Fortschritte gemacht“

„Wir haben strategisch deutliche Fortschritte gemacht“

LeverkusenSeite Anfang 2016 präsentiert sich die Bayer AG als so genannter Life-Science-Konzern: Der Fokus liegt auf den Geschäft mit rezeptpflichtigen und freiverkäuflichen Medikamenten und auf der Agrarchemie. Nun haben die Leverkusener auch ihre Bilanzierung auf das Zukunftsmodell umgestellt: Im Ergebnis des dritten Quartals 2017 ist erstmals die ausgegliederte Kunststofftochter Covestro nicht mehr enthalten.

Deren dicke Umsatz-und Gewinnzuwächse hätte Bayer allerdings weiterhin gut gebrauchen können: Im dritten Quartal stieg der Umsatz nur leicht auf acht Milliarden Euro. Bezieht man Wechselkurseffekte mit ein, sank der Erlös sogar um 2,8 Prozent. Die von Bayer bevorzugte Kennzahl des operativen Ergebnisses vor Sonderposten (Ebitda) legte um vier Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu.

Wegen Einmalkosten für die geplante Monsanto-Übernahme sowie Rückstellungen für Rechtsrisiken verbuchte der Konzern recht hohe Sondereffekte in Höhe von 249 Millionen Euro. Deswegen stagnierte der Betriebsgewinn (Ebit) bei knapp 1,4 Milliarden Euro. An der Börse kamen die Ergebnisse nicht gut an: Die Bayer-Aktie verliert aktuell knapp 3,7 Prozent und lag zuletzt bei 110 Euro.

Bayer ist an Covestro mittlerweile nur noch mit 24,6 Prozent beteiligt und hat die ehemalige Kunststofftochter zum 30. September entkonsolidiert. In der neuen Berichterstattung als Life-Science-Konzern werden die gegenwärtigen Schwächen von Bayer noch deutlicher: In zwei von drei Sparten läuft das Geschäft weiterhin nicht rund – nur das Pharmageschäft mit rezeptpflichtigen Mitteln zeigt sich weiter vergleichsweise robust.

Vor allem die Division Consumer Health, die freiverkäufliche Arzneien herstellt, belastet das Ergebnis anhaltend. Deren Betriebsgewinn vor Sonderposten sank um ganze 16,5 Prozent auf 274 Millionen Euro. Der Umsatz gab wechselkursbereinigt um 2,9 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro nach. Als Problemfälle erweisen sich weiterhin die vor drei Jahren von Merck & Co zugekauften Produkte wie das Allergiemittel Aleve und die Sonnenschutzcreme Coppertone. Letztere verbuchte einen Umsatzrückgang von 45 Prozent. Die alten Bayer-Mittel Aspirin und Bepanthen hingegen legten zu.

Vorstandschef Werner Baumann betonte, dass der Rückgang bei Consumer Health erwartungsgemäß sei. Er führt dies auf den anhaltend starken Wettbewerb in den USA zurück. Bayer musste im dritten Quartal Warenbestände abschreiben, zudem waren die Produktionsanlagen in dieser Division nur schwach ausgelastet.

Auch in der Division Crop Science sank der Gewinn. Das Ebitda von Sondereinflüssen lag 307 Millionen Euro und damit um 3,5 Prozent unter Vorjahr. Hier trafen Bayer die negativen Wechselkurseffekte infolge des starken Dollars sowie geringere Absatzpreise. Der Umsatz stieg um 2,7 Prozent auf zwei Milliarden Euro.

Crop Science soll im kommenden Jahr mit dem US-Saatgutkonzern Monsanto fusioniert werden, den Bayer für 66 Milliarden Dollar kaufen will. Die Amerikaner zeigen sich derzeit in einer stärkeren operativen Verfassung. Die Leverkusener mussten im Sommer einen Rückschlag im wichtigen Brasilien-Geschäft hinnehmen: Die Pflanzenschutzmittel verkauften sich wesentlich schlechter als erwartet, weswegen Bayer sein Gewinnziel für 2017 nach unten korrigierte.

Der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamenten läuft bei Bayer vergleichsweise robust. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen stieg in der Pharmasparte um fünf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 2,3 Prozent auf vier Milliarden Euro zu. Bayer profitierte hier vor allem von den bisherigen Verkaufsschlagern wie dem Blutverdünner Xarelto und dem Krebsmittel Xofigo. Allerdings hatten Analysten auch hier mehr erwartet. Vor allem das Blutgerinnungsmittel Kogenate verlor deutlich an Geschäft, weil die Bestellungen von Vertriebspartnern zurückgingen.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
2 von 10

Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Trotz der anhaltenden Probleme in zwei von drei Sparten sieht sich der Konzern auf Kurs: Baumann bestätigte am Donnerstag die Prognose fürs Gesamtjahr. Danach soll der Konzernumsatz zwischen 35 und 36 Milliarden Euro erreichen, der Betriebsgewinn vor Sonderposten soll leicht über dem Vorjahreswert liegen.

Bei der geplanten Übernahme von Monsanto sieht Bayer ebenfalls Fortschritte. Anfang kommenden Jahres soll die kartellrechtliche Freigabe vorliegen und der Kauf abgeschlossen sein. Der Bayer-Konzern geht bereits auf die Wettbewerbsbehörden zu: Er will den Großteil seines Saatgutgeschäfts sowie ein wichtiges Herbizid soll für 5,9 Milliarden Euro an BASF abgegeben. „Wir gehen damit aktiv auf mögliche Bedenken der Behörde ein“, sagte Baumann. Es sei aber kein Versuch, deren Entscheidungen vorwegzunehmen.

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