Quartalszahlen
Beiersdorf schminkt sich 2009 ab

Nivea Creme gehört sicherlich nicht gerade zu den Produkte, die sich die Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als erstes sparen. Aber Beiersdorf hat eben auch ein zahlreiche konjunkturabhängige Sparten. Daher sind die Zahlen für das zweite Quartal nicht gerade berauschend ausgefallen.

HAMBURG. Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf sieht für das laufende Jahr keine Besserung. Die Ergebnisse 2009 würden unter dem Vorjahr liegen, teilte das Dax-Unternehmen gestern bei der Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal mit. Der trübe Ausblick belastete gestern die Aktie schwer, die schnell zum Verlierer im Dax wurde. Der französische Rivale L’Oreal hatte bei Vorlage der Quartalszahlen größeren Optimismus geschürt, der in letzten Tagen auch die Beiersdorf-Aktie mitgezogen hatte.

Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas will aber an seinen strategischen Zielen festhalten und dazu die Marketing- und Forschungsinvestitionen aufrechterhalten. Rückhalt kommt von der Hamburger Familie Herz, die über ihre Maxingvest-Holding, zu der auch Tchibo gehört, die Mehrheit an Beiersdorf hält.

Das Kerngeschäft mit Hautpflege und Kosmetik läuft dabei vergleichsweise stabil. Die vorwiegend an der Industrie hängende Klebebandtochter Tesa leidet dagegen schwer unter den Folgen der Wirtschaftskrise und hat im April ein umfangreiches Programm zur Kostensenkung eingeleitet. Der Tesa-Umsatz ging im ersten Halbjahr um 21 Prozent auf 348 Mio. Euro zurück. Der Gewinn (Ebit) schrumpfte auf 7 Mio. Euro nach 49 Mio. Euro im Vorjahr. Die Umsatzrendite schmolz von 11 auf 2 Prozent. Die Nachfrage soll sich „auf niedrigem Niveau“ stabilisieren, teilte der Konzern gestern mit.

Tesa hält trotz der Schwierigkeiten an den mittleren zweistelligen Millionen-Investition in neue Geschäftsfelder und Technologien fest, um sich zusätzliche Märkte zu erschließen. Eine neue Reinraum-Produktion wird derzeit in Hamburg in Betrieb genommen. Neue Produkte etwa im Medizinsektor sollen im großen Stil ab dem Jahr 2011 auf den Markt kommen. Branchenbeobachter sehen das als logischen Entwicklungsschritt an.

Im zweiten Quartal hat der Nivea-Hersteller insgesamt die Erwartungen der Analysten weitgehend erfüllt. Der Umsatz des Konzerns schrumpfte von April bis Juni wegen des Verkaufs zweier Töchter um 700 Mio. auf 1,5 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 64 Mio. auf 146 Mio. Euro. Belastend wirkten sich neben den Investitionen die gestiegene Marketingkosten und der Trend zu günstigeren Handelsmarken aus.

Der Umsatz im Konsumbereich lag im zweiten Quartal leicht über dem Vorjahr. „In China und Lateinamerika wuchs das Kosmetikgeschäft sogar zweistellig“, sagte Beiersdorf-Chef Quaas gestern, der für den Weltmarkt von einem leichten Rückgang ausgeht. Die Hamburger setzen angesichts gesättigter Märkte in Westeuropa auf die Schwellenländer und haben erstmals einen eigenen Asien-Vorstand berufen. In den letzten Wochen hatte der Konzern für 18 Mio. Euro eine neue Fabrik in Shanghai eröffnet und die Kapazität in Thailand verdoppelt. In Deutschland sollen Rabattaktionen bei Nivea den Absatz ankurbeln, erhöhen aber den Marketingaufwand.

Der Umsatz im Konsumbereich lag im ersten Halbjahr bei 2,6 Mrd. Euro, das operative Ergebnis erreichte 284 Mio. Euro Die Umsatzrendite in dieser Sparte lag mit 11 Prozent laut Quaas „auf Kurs unserer aktuellen Planung“. Für das Gesamtjahr dürfte sie weiter zurückgehen, Quaas will sie aber „trotz des schwierigen Marktumfeldes“ über 10 Prozent halten. Im Vorjahreszeitraum hatte die Umsatzrendite noch bei gut 13 Prozent gelegen. Für das Jahr 2010 wollte Quaas ursprünglich 15 Prozent erreichen. Die sind erst einmal in weite Ferne gerückt.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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