Quartalszahlen
Ford reduziert Verluste in Europa

Der US-Autobauer Ford schreibt zwar immer noch Millionenverluste in Europa, doch die Sparprogramme zeigen langsam Wirkung. Auch der europäische Absatz kommt langsam wieder in Schwung.
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DetroitFord kommt bei der Sanierung seines Europa-Geschäfts immer besser voran und wird zuversichtlicher. Der Vorsteuerverlust auf dem krisengebeutelten alten Kontinent habe sich im Zeitraum Juli bis September auf 228 Millionen Dollar halbiert, teilte der zweitgrößte US-Autobauer nach der Opel-Mutter GM am Donnerstag mit. Im Gesamtjahr werde das Minus unter dem Niveau von 2012 liegen, prognostizierte der Vorstand. Bislang war Ford in Europa von einem Verlust in Höhe des Vorjahreswertes von 1,8 Milliarden Dollar ausgegangen.

An der Wall Street kamen die Ford-Zahlen gut an: Im vorbörslichen US-Handel legte die Aktie um knapp vier Prozent zu. Angesichts der Fortschritte in Europa nimmt sich das Management um Vorstandschef Alan Mulally nun vor, den Vorsteuergewinn des Konzerns über die im Vorjahr erzielten acht Milliarden Dollar zu hieven. Bislang war Ford hier von einem in etwa stabilen Wert ausgegangen.

Wegen der hartnäckigen Rezession hatte der Konzern aus Dearborn unweit der US-Autostadt Detroit zuletzt ein Sparprogramm aufgelegt, um bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Tausende Arbeitsplätze fallen weg, drei Werke in Belgien und Großbritannien werden dichtgemacht. Dabei ging Ford rigider vor als der Erzrivale General Motors (GM), der lange mit der Belegschaft rang, bevor der Beschluss stand, die Fabrik in Bochum Ende 2014 zu schließen.

GM peilt in Europa für 2016 schwarze Zahlen an und will am kommenden Mittwoch Zahlen für das dritte Vierteljahr bekanntgeben. Dann wird man sehen, ob auch Opel besser Tritt fasst, da die Lichtblicke auf dem europäischen Automarkt zunehmen. Fords Finanzchef Bob Shanks sagte, er erwarte in den nächsten Monaten ein "sehr, sehr moderates Wachstum" der Pkw-Nachfrage in Europa.

Zuletzt war der Absatz der beiden Konkurrenten in Europa etwa im Gleichschritt gestiegen. Während Opel zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall im September 5,5 Prozent mehr Fahrzeuge an Kunden auslieferte, verbesserte sich Ford um fünf Prozent.

Wie bei Opel ist Europa für Ford weltweit die Region mit den größten Problemen, da der Markt hier als gesättigt gilt. Autos können nur mit hohen Preisabschlägen verkauft werden. Die Werke sind wegen der Flaute kaum ausgelastet. In den USA, wo Ford den größten Teil seines Gewinns einfährt, schrumpfte das Vorsteuerergebnis leicht. Grund: höhere Investitionen in neue Modelle und gestiegene Kosten. In Südamerika legte der Gewinn dagegen stark zu, und in der Region Asien/Pazifik mit dem boomenden China-Geschäft verbesserte sich Ford ebenfalls.

Konzernweit kletterte der Umsatz im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 36 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch um ein Fünftel auf 1,3 Milliarden Dollar, weil die Kosten für die Sanierung in Europa sowie im Zusammenhang mit dem Pensionsprogramm für Mitarbeiter zu Buche schlugen. Ohne diese Sonderlasten übertraf der Konzern jedoch die Analystenerwartungen.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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