
DetroitHohe Materialkosten sowie Verluste in Europa und Asien haben dem zweitgrößten US-Autobauer Ford einen Gewinnrückgang eingebrockt. Der Konzern wies am Freitag vor US-Börsenbeginn für das vierte Quartal einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Dollar aus, etwa 200 Millionen Dollar weniger als vor Jahresfrist.
Pro Aktie verdiente Ford mit 20 Cent fünf Cent weniger als von Analysten im Schnitt erwartet. Die Ford-Aktie verlor vorbörslich knapp fünf Prozent. Der Nettogewinn stieg zwar fulminant von 190 Millionen auf 13,6 Milliarden Dollar. Darin waren wegen einer Änderung in der Rechnungslegung steuerliche Einmal-Posten von 12,4 Milliarden Dollar enthalten.
Unter den US-Autobauern ist Ford der einzige, der 2009 nicht ins Insolvenzverfahren musste. Während sich die Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler nur über staatlich kontrollierte Konkursverfahren sanieren konnten, entzog sich Ford der Kontrolle der US-Regierung. Der vorherige Boeing-Manager und jetzige Unternehmenschef Alan Mulally sicherte sich dafür noch vor der Finanzkrise einen hohen Kreditrahmen und versilberte mit Jaguar, Land Rover, Aston Martin und Volvo alle Premiummarken des Autobauers.
Der Autobauer hat von Januar bis September 2011 6,79 Millionen Auslieferungen zu verzeichnen und ist damit Spitzenreiter der Branche. Auch bei der Forschung ist GM vorn mit dabei: Das Budget dafür beträgt 6,9 Milliarden US-Dollar (2010).
Platz zwei bei den Auslieferungen: 5,72 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz 3 (6 Millionen).
Platz drei bei den Auslieferungen: 4,82 Millionen, bei der Forschung Spitze: Der japanische Konzern gibt mit 8,5 Milliarden US-Dollar so viel für die Forschung aus wie keiner der Mitbewerber.
Platz vier bei den Auslieferungen (mit Kia): 4,78 Millionen, bei der Forschung nicht in den Top 8.
Mit 1,23 Millionen Auslieferungen auf Platz fünf, bei der Forschung mit einem Budget von 4,1 Milliarden Dollar auf Platz acht.
Platz sechs bei den Auslieferungen: 1 Million Stück, bei der Forschung auf Platz 7 (4,6 Milliarden). Zu den Branchenprimussen in der Forschung gehören außerdem Nissan (4,7 Milliarden), Ford (5 Milliarden) und Honda (5,7 Milliarden)
Seitdem konzentriert sich das Unternehmen auf die Kernmarke Ford. Die "One Ford"-Strategie sieht künftig weniger Plattformen vor, die die technische Basis eines Autos sind. Dafür soll es mehr gleiche Teile und vor allem drastisch weniger, dafür aber viel enger eingebundene Zulieferer geben. Das langfristige Ziel sind neun weltweite Standardplattformen, als Zwischenschritt bis zum Jahr 2014 sind 13 geplant. Vor zwei Jahren waren es noch 25 Standardplattformen.
Mulallys Bilanz war zuletzt eindrucksvoll, bekommt durch die aktuellen Zahlen aber womöglich einen Kratzer: Zehn Quartale hintereinander schaffte Ford einen Gewinn. Mit 1,65 Milliarden Dollar erzielte das Unternehmen im dritten Quartal sogar den zweitbesten Profit in der 108-jährigen Firmengeschichte.
Doch hat Mulally nicht alle Probleme gelöst. In Asien ist der Konzern schwach und machte dort 2011 Verluste. Auch in Europa schrieb er entgegen Mulallys Versprechungen mit einem Minus von 190 Millionen Dollar rote Zahlen, die er mit hohen Materialkosten begründete.