Quartalszahlen
GM macht Investoren große Versprechungen

General Motors-Finanzchef Chris Liddell hält einen Jahresgewinn von 19 Mrd. Dollar für möglich - dabei verliert der US-Autobauer weiter Marktanteile. Mit Gegenwind haben auch die anderen zwei Konzerne an der Spitze der Autoindustrie noch zu kämpfen.
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NEW YORK/FRANKFURT. General Motors macht sich hübsch für die Börse. Der größte amerikanische Autokonzern legte gestern bei 34 Mrd. Dollar Umsatz einen Quartalsgewinn von zwei Mrd. Dollar vor - und setzt sich eine Woche vor dem geplanten Börsen-Comeback wieder an die Spitze der US-Autoindustrie. Der Verfolger und Erzrivale Ford, der bereits seit längerem wieder profitabel ist, hatte im dritten Quartal 29 Mrd. Dollar Umsatz und einen Nettogewinn von 1,7 Mrd. Dollar erzielt.

Der Abstand zur Nummer drei in Detroit wird mit jedem Monat deutlicher: Die vom italienischen Fiat-Konzern kontrollierte Chrysler-Gruppe, die im Vorjahr genau wie GM staatlich aufgefangen wurde, hat es trotz Branchenerholung noch nicht in die Gewinnzone geschafft. Vorstandschef Sergio Marchionne sieht sich angesichts hoher Einsparungen und anziehender Verkäufe dennoch auf Kurs. Er rechnet damit, dass Chrysler im Gesamtjahr operativ rund 700 Mio. Dollar verdienen kann.

GM kommt bei der Sanierung deutlich schneller voran und will seine Rückkehr an die Börse jetzt rasch durchziehen. Finanzchef Chris Liddell könnte mit einer Aktienemission am 17. November gut zehn Mrd. Dollar einspielen und den Anteil der US-Regierung von 60,8 auf etwa 43 Prozent absenken. Dann erhielte der Steuerzahler einen Teil seiner umstrittenen Investition zurück. Washington hatte GM 2009 im Zuge einer staatlich kontrollierten Blitz-Insolvenz mit mehr als 50 Mrd. Dollar gerettet.

Der charmant neuseeländische Akzent Liddells überdeckt allerdings nicht, dass GM auch nach der Wiederauferstehung mit viel Gegenwind zu kämpfen hat. So schreibt der Konzern - ebenso wie Ford - im Europageschäft weiterhin rote Zahlen. Zwischen Juli und September verloren die GM-Tochtermarken Opel und Vauxhall operativ 559 Mio. Dollar, dreieinhalb mal so viel wie im Vorquartal. Der Verlust in den ersten neun Monaten summiert sich damit in Europa auf 1,2 Mrd. Dollar. Opel-Boss Nick Reilly hat bereits eingeräumt, dass GM Europe angesichts der Restrukturierung mit einem Milliardenverlust rechnet. 2011 will Opel ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

Schönheitsfehler an der Prognose

Auch die aktuellen Verkaufszahlen sehen nicht annähernd so positiv aus, wie GM glauben machen will. Unter dem Strich verliert der US-Branchenführer in der Heimat weiter Marktanteile. Zwar kletterte der Absatz im Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,2 Prozent. Im Branchenschnitt legten die Verkäufe jedoch um mehr als 13 Prozent zu. Chrysler präsentierte, als Folge miserabler Werte im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 37 Prozent. Ford verbuchte ein überdurchschnittliches Plus von 19 Prozent.

Ford hält auch den Spitzenplatz beim Gewinn nach neun Monaten. Der Konzern, der unter seinem Chef Alan Mulally als einziger ohne Staatshilfe durch die Krise kam, zeigt GM bislang mit einem Nettogewinn von 6,7 Mrd. Dollar die Rücklichter. GM brachte es von Januar bis September unter dem Strich auf einen Profit von 4,2 Mrd. Dollar.

Liddell sieht GM schon bald in ganz anderen Sphären: Auf der angelaufenen Roadshow für Investoren malte der Herr der GM-Zahlen bereits einen operativen Jahresgewinn von bis zu 19 Mrd. Dollar an die Wand - falls der US-Automarkt wieder auf einen Absatz von 17 Mio. Fahrzeugen pro Jahr zurückkehren sollte. Der Schönheitsfehler an der Prognose: Derzeit liegt der Markt noch fünf Mio. Autos darunter.

Die Experten von IHS Automotive glauben, dass der US-Markt frühestens 2015 wieder eine Größenordnung in der Nähe des Rekordjahrs 2000 erreichen könnte. Joe Phillippi von der Beratung Auto Trends hält selbst dieses Szenario noch für optimistisch und gibt zu bedenken: "Wir blicken auf eine Arbeitslosenrate von zehn Prozent."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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