Quartalszahlen
Iberdrola stellt Investitionskürzungen in Aussicht

Iberdrola passt seinen Investitionsplan der schwierigen Finanzmarktsituation an. Im Strategieplan 2008 bis 2010 hatte der spanische Versorger Investitionen von 17,8 Milliarden Euro vorgesehen. Doch angesichts der unübersehbaren Entwicklung an den Finanzmärkten behält sich das Unternehmen die Flexibilität vor, jährlich bis zu zwei Milliarden Euro weniger zu investieren.

MADRID. Das Nettogewinnziel von 3,5 Mrd. Euros für 2010 bleibe unverändert, erklärte Iberdrolas Präsident Ignacio Sanchez Galán gestern bei der Quartalspressekonferenz. "Es ist möglich dass die Finanzierungskosten steigen, in dem Fall haben die Investitionen mit der höchsten Rendite Vorrang."

Nach den Ergebnissen der ersten neun Monate des Jahres zu urteilen ist Iberdrola insgesamt gut aufgestellt für das schwierige Marktumfeld, vor allem in seinen beiden Märkten Spanien und Großbritannien. Mit einer Steigerung des Reingewinns um knapp 54 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro übertraf Iberdrola die Erwartungen der meisten Analysten. Der Vorsteuergewinn (Ebitda) stieg um 29 Prozent auf 4,9 Mrd. Euro. Die Stromproduktion erhöhte sich insgesamt um 23 Prozent auf 106 Mrd. kWh, wovon die Hälfte außerhalb Spaniens generiert wurde.

Vor allem verantwortlich für die guten Zahlen waren die britische Tochter Scottish Power sowie die Aktivitäten in Erneuerbaren Energien. Das Ebitda von Scottish Power von 1,4 Mrd. Euro trug rund ein Drittel des gesamten Vorsteuergewinns bei. Das Ebitda im Bereich Renewables stieg um stolze 114 Prozent. Doch auch auf dem spanischen Markt wuchs Iberdrola deutlich stärker als das gesamte Wirtschaftswachstum. Die Stromnachfrage sei relativ unabhängig von den Konjunkturzyklen, in Spanien etwa sei die Nachfrage in den letzten 25 Jahren nie gesunken, erklärte Galán.

Erst vor wenigen Wochen schloss Iberdrola die Übernahme des US-Versorgers Energy East ab, das ab dem nächsten Quartal in die Bilanzen integriert wird. Die Finanzierung des Deals sei schon ein Jahr zuvor, zu viel besseren Bedingungen, sichergestellt worden. "Wir haben unsere Investitionen immer im voraus finanziert", so der Iberdrola-Chef. Das Unternehmen habe seine Hausaufgaben gemacht und das Schuldenniveau trotz der jüngsten Übernahme auf 47 Prozent leicht gesenkt. Zudem verfüge die Gruppe über Liquiditätsreserven in Höhe von 9,2 Mrd. Euro.

Nicht eingerechnet in die Schuldenquote ist das sogenannte Tarifdefizit, die Differenz aus regulierten Endpreisen und den tatsächlichen Stromkosten in Spanien. Iberdrolas Tarif-Defizit belief sich in den ersten neun Monaten auf knapp zwei Mrd. Euro.

Mitte des Jahres liberalisierte die spanische Regierung immerhin die Stromtarife für Industriekunden, die etwa die Hälfte des Marktes ausmachen. Das war ein erster Schritt zur Lösung des milliardenschweren Defizits, das sich über die letzten Jahre angesammelt hat.

Bisher wurde dieses Defizit verbrieft und von der spanischen Nationalen Energiekommission an institutionelle Investoren verkauft. Die letzte Versteigerung im September wurde jedoch wegen mangelnden Interesses abgeblasen. Ende Oktober will das Industrieministerium gemeinsam mit den Energieunternehmen über eine Lösung diskutieren. Der Industrieminister habe zugesagt, das Defizit bis 2012 abzubauen, sagte Galán. Mögliche Wege dazu seien eine weitere Liberalisierung der Tarife sowie der Befreiung der Tarife von Zusatzlasten wie Steuern oder anderen Zuschlägen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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