Quartalszahlen
Japans Autobauer sind auf Erholungskurs

Trotz der Tsunami-Katastrophe konnten die japanischen Autohersteller Honda und Mitsubishi im letzten Quartal Gewinne verbuchen. Die Konkurrenz aus Südkorea hat dennoch von der Schwäche der Japaner profitiert.
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TokioDie japanischen Autobauer erholen sich schneller von der Erdbeben- und Atomkatastrophe als erwartet. Der drittgrößte Hersteller Honda, der beim Beben im März die größten Schäden aller Hersteller erlitt, fuhr von April bis Juni überraschend einen Gewinn ein und hob daraufhin seine Jahresprognose an. Auch Mitsubishi schrieb im ersten Quartal des bis März 2012 laufenden Geschäftsjahres einen Betriebsgewinn von 12,2 Milliarden Yen (rund elf Millionen Euro) nach einem Verlust vor einem Jahr.

„Die Ergebnisse von Honda im ersten Quartal sind beachtlich“, sagte Fonds-Manager Naoki Fujiwara von Shinkin Asset Management. „Viele Experten hatten rote Zahlen erwartet.“ Neben den Folgen des Erdbebens musste der Konzern wegen eines Modellwechsels im Frühjahr auch einen Absatzrückgang seines populären Civic in den USA hinnehmen. Ingesamt sank Hondas Betriebsgewinn von April bis Juni um 90 Prozent auf 22,6 Milliarden Yen (gut 200 Millionen Euro).

Damit schnitt das Unternehmen allerdings deutlich besser ab als von Analysten erwartet und schraubte die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 270 Milliarden Yen nach oben. Die Absatzprognose erhöhte Honda um 135.000 auf 3,435 Millionen Fahrzeuge. Damit liefert Honda einen weiteren Hinweis darauf, dass die japanische Autoindustrie die Folgen des Bebens schneller wegstecken kann als anfänglich erwartet. Zuletzt hatte bereits der zweitgrößte Hersteller des Landes, Nissan, einen überraschend hohen Gewinn ausgewiesen. Branchenprimus Toyota legte seine Zahlen am Dienstag vor.
Trotz der Zahlen, die besser als erwartet ausfielen, sind die Spuren der Naturkatastrophe auf dem japanischen Automarkt weiter deutlich zu spüren. Im Juli fiel der Pkw-Absatz in dem Land um 28 Prozent auf 241.472 Fahrzeuge und damit so stark wie nie zuvor. Besonders anhaltende Engpässe bei Zulieferern machen der Branche zu schaffen. „Das Angebot an Autos wird nicht von heute auf morgen steigen“, erklärte die japanische Autohändlervereinigung. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass die Produktion ab September wieder deutlich zulege. Der Absatz von Branchenprimus Toyota in Japan fiel im vergangenen Monat um 37 Prozent, die von Honda um 33 Prozent und die von Nissan um 18 Prozent.

Ihren Marktanteil ausbauen konnten dagegen erneut die südkoreanischen Hersteller Hyundai und Kia. Das Duo jagt der asiatischen Konkurrenz seit einer Zeit Kunden ab, da die japanischen Hersteller neben den Erdbebenfolgen auch mit Rückrufaktionen und dem starken Yen zu kämpfen haben. Schon während der Finanzkrise bauten die Koreaner deshalb ihren weltweiten Marktanteil konstant aus. Experten gehen allerdings davon aus, dass sich Hyundai & Co. in den kommenden Monaten auf härte Konkurrenz einstellen müssen. „Hyundai wird weiter solide Zuwächse einfahren, aber die Wachstumsraten werden geringer ausfallen, weil sich die japanischen Hersteller rasch erholen“, erklärte Fonds-Manager Ko Seung-jae von Dream Asset. Auch das Anziehen der südkoreanischen Landeswährung Won dürfte den koreanischen Herstellern Experten zufolge etwas Wind aus den Segeln nehmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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