Quartalszahlen
Siemens rutscht tiefer in die Krise

Lange Zeit ließ sich Siemens seinen Optimismus nicht nehmen und hielt trotz Krise an der nun wirklich anspruchsvollen Jahresprognose fest. Doch nachdem man diese im Frühsommer kassiert hat, geht es weiter abwärts. Die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal sind eine bittere Enttäuschung und zeigen, dass für die deutsche Industrie noch längst nicht alles überstanden ist.

MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern rechnet mit einer längeren Wirtschaftsflaute und baut daher in der besonders gebeutelten Industriesparte insgesamt 1 600 Arbeitsplätze ab. Im laufenden Quartal fallen dafür zusätzlich Restrukturierungskosten von 100 Mio. Euro an. „Es sind keine einfachen Zeiten“, sagte Vorstandschef Peter Löscher gestern in München. Siemens sei dafür aber besser gerüstet als die Konkurrenten. Das liegt auch daran, dass der Konzern mit seinem Sparprogramm schneller vorankommt als geplant.

Auf dem ersten Blick sahen die Quartalszahlen von Siemens düster aus. Der Auftragseingang brach im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres drastisch ein, auch Umsatz und operatives Ergebnis zeigten nach unten. Zudem ist eine schnelle Besserung nicht in Sicht: In den Industrieländern müsse man sich auf eine längere Phase unterdurchschnittlichen Wachstums einstellen, sagte Löscher.

Optimismus bezieht Siemens vor allem aus der Tatsache, dass die Krise andere noch deutlich stärker nach unten zieht. „Auf die relative Stärke kommt es derzeit an“, sagte Löscher. Der Erzrivale General Electric hatte im abgelaufenen Quartal ein Umsatzminus von 17 Prozent auf 39,1 Mrd. Dollar verbucht. Der Gewinn brach um fast die Hälfte auf 2,7 Mrd. Euro ein. Auch beim ABB-Konzern fiel das Umsatz-Minus mit zwölf Prozent auf 7,9 Mrd. Dollar deutlich größer aus als bei Siemens. Der Gewinn der Schweizer sank um ein Drittel auf 675 Mio. Euro.

Siemens profitiere nun davon, dass man frühzeitig auf den sich abzeichnenden Konjunkturabschwung reagiert habe, sagte Löscher. Der Konzern hatte den Abbau von rund 17 000 Stellen überwiegend in Vertrieb und Verwaltung angekündigt. Damit sollten die Kosten verglichen mit 2006/07 um jährlich 1,2 Mrd. Euro gedrückt werden. Laut Löscher fielen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 (30. September) bereits 1,5 Mrd. Euro weniger Kosten an als im Vorjahr.

Abgesehen von dem Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung hatte Siemens zuletzt vor allem auf Kurzarbeit gesetzt, um die Nachfrageeinbrüche abzufedern. Die Zahl der Kurzarbeiter im Konzern sank ferienbedingt zuletzt leicht auf 15 000, dürfte aber bald wieder in die Höhe schnellen.

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