Quartalszahlen
Solarindustrie steckt tief in der Krise

Gute und schlechte Nachrichten aus der deutschen Solarindustrie: Während das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar im zweiten Quartal die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft hat und Centrotherm seinen Umsatz deutlich steigern konnte, rutschten Conergy und Q-Cells noch tiefer in die Verlustzone. Solarworld gibt sich trotz Umsatzminus optimistisch.

DÜSSELDORF. Ein starker Preisverfall und eine wegbrechende Nachfrage treiben die Solarindustrie in die roten Zahlen. Vor allem im wichtigen Markt Spanien werden derzeit wegen stark gesunkener Förderung kaum noch Anlagen nachgefragt. Gleichzeitig haben die Hersteller die Kapazitäten weiter ausgebaut, so dass jetzt Überkapazitäten den Markt bestimmen. Weil zudem auch die Finanzkrise den Verkauf von großen Solarparks erschwert, sieht es für die Branche düster aus.

Uwe Bögershausen, Finanzvorstand von Aleo Solar, schätzt, dass bei dem Vorprodukt Solarzellen aber auch bei fertigen Solarmodulen mindestens doppelt so viel am Weltmarkt verfügbar ist, wie gebraucht wird. Der daraus resultierende Preisverfall trifft die Industrie hart. Q-Cells, einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen, gibt die Preissenkungen seit Jahresanfang mit 35 Prozent an. Solarworld schätzt den Preisverfall bei fertigen Solarmodulen branchenweit auf 25 Prozent. Bei der Phoenix Solar aus dem bayerischen Sulzemoos führte dies dazu, dass im ersten Halbjahr zwar 25 Prozent mehr Module abgesetzt wurden als im gleichen Vorjahreszeitraum, der Umsatz aber bei rund 152 Mio. Euro stagnierte. Das Konzernergebnis rutschte von 8,2 Mio. Euro auf einen Verlust von 4,9 Mio. Euro.

Am härtesten trifft die Branchenkrise Q-Cells. Das Unternehmen leidet nicht nur unter der geringeren Nachfrage. Als am Markt noch Knappheit herrschte, schlossen die Bitterfelder für ihre Vorprodukte feste langfristige Lieferverträge zu Preisen, die jetzt völlig überhöht sind. Den Abnehmern muss Q-Cells aber Preisnachlässe einräumen.

Zusätzlich muss der einstige Börsenstar erneut eine hohe Abschreibung auf seine Beteiligung an dem norwegischen Silizium-Hersteller REC vornehmen. Mit 600 Mio. Euro belastet allein dieses das Q-Cells-Ergebnis im ersten Halbjahr. Der Umsatz sank seit Januar dieses Jahres auf 366 Mio. Euro gegenüber 580 Mio. Euro vor einem Jahr. Nach Steuern schreibt das Unternehmen jetzt einen Verlust von 700 Mio. Euro nach 82 Mio. Euro Gewinn vor einem Jahr.

Jetzt hat Q-Cells ein hartes Sparprogramm angekündigt. Am Hauptstandort Thalheim fallen 500 von 2 200 Stellen weg und vier von sechs Fertigungslinien werden stillgelegt. Ein Großteil der Beschäftigten bleibt in Kurzarbeit. Q-Cells-Chef Anton Milner erwartet dadurch eine Senkung der Produktionskosten um 25 Prozent. Dafür wird die neue Fabrik in Malaysia ausgebaut, allerdings langsamer als ursprünglich geplant.

Noch relativ glimpflich hat die Bonner Solarworld die Krise bisher überstanden. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf 402 Mio. Euro, doch der Konzerngewinn fiel um knapp 41 Prozent auf 51,7 Mio. Euro. Immerhin ist Solarworld im Gegensatz zu vielen anderen Solarunternehmen nicht in die roten Zahlen gerutscht. Der stets optimistische Solarworld-Chef Frank Asbeck wertet dies positiv: „Dank unserer Strategie, entlang der kompletten Wertschöpfungskette zu produzieren, können wir der derzeitigen Preisdegression im internationalen Solarmarkt besser begegnen als andere“, sagte er.

An der Börse gehörten die Solaraktien in einem überwiegend freundlichen Marktumfeld gestern meist zu den Verlierern. Q-Cells-Aktien verloren 3,6 Prozent, die Aktie von Solarworld notierte 2,7 Prozent niedriger, Conergy blieb unverändert. Karsten v. Blumenthal, Analyst bei SES, stufte die Aktie von Q-Cells von Halten auf Verkaufen.

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