Quartalszahlen
Toyota gibt sich wieder optimistischer

Der weltgrößte Autohersteller Toyota leidet weiterhin unter der weltweiten Autokrise und hat im abgelaufenen Quartal seinen dritten Verlust in Folge verzeichnet. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern nun aber mit einem geringeren Minus als bisher.

TOKIO/WOLFSBURG. Der japanische Autohersteller Toyota sieht sich in einer schwierigen Lage. „Wir müssen unsere Anpassungen an die Marktsituation mit aller Kraft fortsetzen“, sagte Vorstandsmitglied Takahiko Ijichi gestern in Tokio bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Der weltgrößte Autohersteller meldete erneut einen hohen Verlust und verkaufte weniger Autos. Fürs Gesamtjahr macht Ijichi jedoch erste Anzeichen einer Besserung aus. „Die Konjunkturprogramme stützen den Absatz merklich“, sagte er.

Nach der Einführung der Abwrackprämie in Japan rechnet Toyota auf dem Heimatmarkt mit einem Absatzanstieg. Auch weltweit sollen sich die Verkaufzahlen im Vergleich zum Jahresbeginn wieder erholen. Vor allem umweltfreundliche Hybridautos liefen besser als der Gesamtmarkt, sagte der Automanager. Toyota senkt derzeit zudem mit hohem Tempo die Kosten. Bereits im Quartal von April bis Juni hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,3 Mrd. Euro eingespart. Trotzdem wird am Jahresende wohl noch ein Verlust von 3,3 Mrd. Euro stehen.

Toyota hatte sich erst im vergangenen Jahr an die Spitze der Autobauer gesetzt, doch die Konkurrenz holt auf: Volkswagen sieht sich trotz weltweiter Absatzkrise auf der Überholspur. Der Konzern erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2009 einen operativen Gewinn von 1,2 Mrd. Euro und gehörte damit zu den wenigen Herstellern, die schwarze Zahlen geschrieben haben. Die Krise könne das Ziel, den japanischen Branchenprimus einzuholen, sogar beflügeln, heißt es in Konzernkreisen.

Volkswagen hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis zum Jahr 2018 der erfolgreichste Autobauer der Welt zu werden. Dazu soll die geplante Integration des Sportwagenbauers Porsche beitragen, die nun nach monatelangen Querelen zumindest prinzipiell entschieden ist. Konzernchef Martin Winterkorn verfolgt dabei eine andere Strategie als die Japaner: Mit dann zehn weitgehend eigenständigen Marken, die sich technische Baukästen kostensparend teilen, will der Manager verschiedene Märkte bedienen. Toyota setzt weitgehend auf seine Kernmarke und die Premiumtochter Lexus.

Die Stärken der Konzerne sind unterschiedlich verteilt. Die Wolfsburger liegen in China traditionell mit einem Marktanteil von fast 20 Prozent deutlich vor Toyota. In den USA hinken sie allerdings mit einem Marktanteil von gut zwei Prozent weit hinterher. Ein neues Werk in Tennessee soll helfen, den Jahresabsatz von zuletzt 200 000 Autos bis zum Jahr 2018 zu vervierfachen. Doch „Toyota schläft ganz sicher nicht“, heißt es in VW-Kreisen respektvoll.

Die Japaner rechnen damit, schon 2010 wieder profitabel zu sein. Die bisherigen Kostensenkungen seien erst der Anfang, verkündete Ijichi. Allerdings steht dem Unternehmen die eigene Geschichte im Weg: Toyota vermeidet es traditionell, Mitarbeiter zu entlassen. Das Unternehmen will sich trotz der wohl langfristig miesen Verkaufszahlen nicht von Festangestellten trennen. „Das macht Toyota vergleichsweise inflexibel“, sagt Branchenexperte Masaaki Sato. Andererseits könne sich das Unternehmen auf die Loyalität seiner Leute verlassen – und ihren Ehrgeiz, täglich die Produktionsweise zu verbessern. „Toyota hat noch Überraschungen im Ärmel und wird sich nicht so leicht von Platz eins verdrängen lassen“, sagt Sato.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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